Inmitten einer Zeit zunehmender Polarisierung und gesellschaftlicher Herausforderungen sind Dialog und Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an politischen Entscheidungsprozessen von großer Bedeutung – vor dem Hintergrund der bevorstehenden Kommunal- und Landtagswahlen im Jahr 2024 sind diese womöglich sogar von entscheidender Relevanz. Um diesen Herausforderungen zu begegnen und eine konstruktive Auseinandersetzung zu fördern, lud das Kompetenzzentrum Krisen-Dialog-Zukunft der Technischen Universität Dresden und der Aktion Zivilcourage e. V. gemeinsam mit dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden und der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung zum Fachtag "Aktiv vor Ort im Wahljahr" ein. Die Veranstaltung fand am 9. Februar 2024 im Deutschen-Hygiene-Museum Dresden statt.

Dialog und Beteiligung vor Ort fördern

Der Fachtag richtete sich an all diejenigen, die sich auf lokaler Ebene haupt- oder ehrenamtlich für Demokratie und Beteiligung engagieren, sowie an Moderatorinnen und Moderatoren für kommunale Konflikt- und Krisensituationen. Die Veranstaltung bot viel Raum für den Austausch von Erfahrungen und Lösungsansätzen im Umgang mit kommunalen Konflikten und zu den Herausforderungen im bevorstehenden Wahljahr.

Mit einer Vielzahl von Workshops, Vorträgen und Austauschmöglichkeiten wurden relevante Themen wie Prävention, konstruktives Streiten, Konfliktstufen und Formatwahl, der Komplex Neutralität, Allparteilichkeit und Überparteilichkeit, Leitplanken der Konfliktmoderation, Dilemmata von Beteiligung, eskalierte Bürgerversammlungen, Gelingensbedingungen von Wahlforen und die Förderung der Wahlbeteiligung behandelt und somit ein tieferes Verständnis für lokale Konfliktdynamiken, Handlungsoptionen und Methoden vermittelt. Durch die Weitergabe von Erfahrungen, Best Practices und konkreten Handlungsempfehlungen wurden die Teilnehmenden befähigt und ermuntert, konstruktive Veranstaltungsformate zu entwickeln. Darüber hinaus war auch die Vernetzung der Teilnehmenden ein wichtiges Ziel dieses Fachtags.

Bedarfe und Stimmen der Teilnehmenden

Im Abschluss-Panel ging es schließlich um die Frage, was es braucht, um handlungssicher mit den Herausforderungen dieses Wahljahres umgehen zu können. Dabei wurden eigene ambitionierte und innovative Vorhaben („mehr kluge Formate, in denen Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten aufeinandertreffen können“, „niedrigschwellige Angebote zur politischen Bildung für möglichst alle Bevölkerungsgruppen und -schichten“, „mutige und kreative Formate sowie Vernetzung mit Akteur:innen der kulturellen Bildung“, „Raum und Rahmen für Austauschmöglichkeiten, Perspektivwechsel und Zuhören“), Selbstermunterungen („mehr Mut, Zuversicht und Kreativität“, „klare Haltung und Geduld“, „Pragmatismus im Umgang mit bestimmten Personengruppen“, „weniger Ich-Bezogenheit und Konkurrenz unter zivilgesellschaftlichen Akteuren“, „Standhaftigkeit“)  und gesamtgesellschaftliche Wünsche („Vertrauen in den aktuellen Transformationsprozess“, „gesellschaftlicher Zusammenhalt“, „Transparenz und Gemeinsinn“, „mehr Menschen, die für politische Ämter kandidieren, und solche, die diese unterstützen, schützen und fördern“) formuliert.

Darüber hinaus wurden jedoch auch dezidierte Forderungen an die Politik und öffentliche Verwaltung gestellt, unter anderem „gute Rahmenbedingungen für (ehrenamtliches) Engagement wie z. B. möglichst unkomplizierte Finanzierungsmöglichkeiten für Veranstaltungen, zugängliche und bezahlbare (kommunale) Räume und Technik“, „bessere juristische Rahmenbedingungen bei Bedrohungen“ sowie „mehr Miteinander der verschiedenen zivilgesellschaftlichen und kommunalen Akteure“.

Fazit

Die große Zahl an Teilnehmenden – wir hatten mit 80 geplant, 120 sind gekommen – sowie das überwältigende Feedback unterstreichen deutlich die Notwendigkeit, auch zukünftig Vernetzungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten wie diesen Fachtag anzubieten. Zivilgesellschaftliche, kommunale und politische Akteurinnen und Akteure haben den Willen, Lösungen für die derzeitigen gesellschaftlichen Konflikte zu suchen und konstruktive Beteiligungs- und Dialogformate zu entwickeln. Wir wollen sie dabei gerne unterstützen!

 

Dank

Einen großen Dank möchten wir unseren Kooperationspartnern für diesen Fachtag, dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden und der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, und ihren Teams für die wunderbar unkomplizierte Zusammenarbeit aussprechen sowie der John-Dewey-Forschungsstelle für die Didaktik der Demokratie (JoDDiD) der TU Dresden und Kompliz*, einer Initiative von Künstler:innen und Kulturschaffenden in Sachsen, die sich für einen respektvollen gesellschaftlichen Austausch einsetzt, für die Durchführung von zwei Workshops.

Wir bedanken uns außerdem sehr herzlich bei der Robert Bosch Stiftung und beim Demokratie-Zentrum Sachsen für die finanzielle Förderung und Unterstützung.

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Madeleine de Saulce

Referentin

Petra Schweizer-Strobel

Referentin