Das Problem: Wir gehen uns aus dem Weg, anstatt miteinander zu reden 

Wir kennen es aus Gesprächen im Freundes- und Kolleg:innenkreis, erleben es beim alljährlichen Weihnachtsessen mit der Familie und beobachten es an Schulen: In Streitgesprächen stoßen wir schnell an unsere Grenzen. Anstatt zuzuhören, sich auszutauschen und andere Ansichten gelten zu lassen, versuchen wir, die andere Person von der eigenen (vermeintlich richtigen) Meinung zu überzeugen. Schüler:innen lernen im Unterricht zu argumentieren und zu debattieren, jedoch weniger einander wirklich zuzuhören, zu verstehen und andere Meinungen auch mal stehen zu lassen.


Persönliche Geschichten und Erfahrungen im Fokus

Im September 2022 führten wir deshalb zum ersten Mal das Diskussionsformat „demoSlam“ mit einer 10. Klasse des „Glückauf“-Gymnasiums in Dippoldiswalde durch. Bei diesem Format finden sich Menschen, die zu einem bestimmten Thema ganz unterschiedlicher Meinung sind, in Kleingruppen zusammen, diskutieren und entwickeln anhand ihrer Unterschiede eine kreative Präsentation. 

Schon zu Beginn des ersten Tages zeigten uns die Schüler:innen, dass die Meinungen zu Themen wie Homeschooling, Gendern und Alkoholverbot unter 18 Jahren stark auseinander gingen und darüber hitzig diskutiert wurde. Gemeinsam arbeiteten wir die wichtigsten Themen für die Klasse heraus und hatten schließlich sechs Kleingruppen. Jede Kleingruppe beschäftigte sich mit einem der sechs Themen: Gendern, Meinungsfreiheit und Zensur, vegetarischer Ernährung, Alkoholkonsum sowie LGBTQIA+ und Homosexualität. 

Es war zunächst gar nicht so einfach, die Jugendlichen von den Wikipedia-Seiten wegzulocken und ihnen zu vermitteln, dass es bei demoSlam nicht um Argumente und Studien, sondern um persönliche Geschichten und Erfahrungen geht. Auch mit ablehnenden Haltungen und Sätzen wie „zu diesem Thema will ich überhaupt nichts sagen“ wurden wir konfrontiert. 

Umso schöner war es dann die Entwicklungsschritte der einzelnen Gruppen und den abschließenden Slam zu beobachten. Eine der Gruppen, die ihre Präsentation zu den Themen LGBTQIA+ und Homosexualität gestaltete, hatte sich als Leitfrage „Was ist Liebe?“ ausgesucht. Und der Schüler, der sich dazu zunächst gar nicht äußern wollte, erzählte seiner Klasse, dass seiner Meinung nach homosexuelle Menschen genauso lieben wie heterosexuelle Menschen.

Das können Sie tun

Versuchen Sie in den nächsten Wochen, ihren Mitmenschen zuzuhören und erzählen Sie sich gegenseitig von Ihren persönlichen Erfahrungen und Geschichten. 

Das Diskussionsformat "demoSlam" ist eines von vielen verschiedenen Formaten, das wir umsetzen. Insgesamt führen wir pro Jahr rund 600 verschiedene Bildungsangebote an Schulen in Sachsen durch. Die Angebote sind für die Schülerinnen und Schüler kostenfrei. Dennoch entstehen Personalkosten für die Referentinnen, die die Workshops organisieren und durchführen. Ein Teil der Kosten kann über Förderprogramme gedeckt werden. Den Rest steuert die Aktion Zivilcourage e. V. bei und sammelt dafür Spenden.

Unterstützen Sie mit Ihrer Spende Jugendliche dabei, eine wertschätzenden Gesprächskultur zu festigen. Spenden Sie hier.