06.06.2007 / Bautzen Ein Flugblatt behauptet, das Wilthener „Nordland“ sei ein „Nazi-Geschäft“. Inhaber Markus Rose weist das zurück.

Jahrelang verkaufte Markus Rose in seinem Wilthener Laden „Nordland“ unbehelligt Marken-Bekleidung von Thor Steinar, Alpha, Brachial und Mogul. Doch jetzt ist Rose ins Visier antifaschistischer Aktivisten geraten. In einem per Internet verbreiteten Flugblatt wirft eine Gruppe „Alternativer Jugendlicher aus der Oberlausitz“ dem Jahrelang verkaufte Markus Rose in seinem Wilthener Laden „Nordland“ unbehelligt Marken-Bekleidung von Thor Steinar, Alpha, Brachial und Mogul. Doch jetzt ist Rose ins Visier antifaschistischer Aktivisten geraten. In einem per Internet verbreiteten Flugblatt wirft eine Gruppe „Alternativer Jugendlicher aus der Oberlausitz“ dem Ladeninhaber vor: „Nordland ist ein Neonazi-Geschäft.“

Markenware verkauft sich gut

Die Verfasser begründen ihre Behauptung nicht allein mit der Marke Thor Steinar, die nach Aussage des sächsischen Verfassungsschutzes zur „Lieblingsbekleidung von Rechtsextremisten“ avanciert sei. Auf Nazismus weise auch die Dekoration des Ladens hin, etwa das Segel eines Wikingerschiffs mit einem deutlich sichtbaren Oy-Zeichen. Dieses Zeichen steht für Neonazismus und Rassismus. „Es wird von rechtsextremen Gruppen verwendet“, heißt es in dem Schreiben.

Markus Rose wehrt sich gegen die Vorwürfe, fühlt sich diffamiert. „Bei dem Symbol, das das Segel des Winkingerschiffs ziert, handelt es sich um das Sonnensymbol. Wikinger und Germanen verehrten dieses Zeichen, und man findet es in abgewandelter Art in anderen Kulturen“, sagt der Ladeninhaber im Gespräch mit der SZ. Und auch „Nordland“ habe mit Neonazismus nichts zu tun. „Ich wählte diesen Namen in Bezug auf die Provinz ‚Nordland‘ in Norwegen.“

Weil kein anderes Geschäft Thor Steinar führe, habe er sich für die Marke entschieden. Sie laufe gut, er wolle die Verkaufsfläche erweitern. Markus Rose bedauert, dass das Flugblatt keine Unterschrift trägt. „Sonst würde ich sofort Anzeige erstatten. Es geht um meine Existenz.“ Er tue nichts Verbotenes. Der Verkauf von Thor-Steinar-Sachen sei erlaubt. – Das bestätigt der sächsische Verfassungsschutz, denn die Marke Thor Steinar hat ihr Aussehen mittlerweile verändert. Bei einem früheren Logo hatten Gerichte festgestellt, dass es den Zeichen nationalsozialistischer Organisationen zum Verwechseln ähnlich sehe. „Zwischenzeitlich wird das Logo in der strafrechtlichen Form nicht mehr hergestellt“, heißt es in einer Broschüre der Behörde. Die Marke verwende nun ein Logo, das keine „strafrechtliche Relevanz“ mehr habe.

Auch der Wilthener Laden ist nicht im Visier der Verfassungsschützer. Nordland sei nicht als rechtsextremistischer Vertrieb eingestuft und insofern kein Beobachtungsobjekt, teilte die Behörde mit.

Nach Angaben des Görlitzer Vereins Amal, der sich um die Opfer rechtsextremistischer Straftaten kümmert, ist Laden-Inhaber Rose in der Szene allerdings kein Unbekannter. Er sei Sänger der Bautzener Neonazi-Band „Asatru“, so der Verein in einem Schreiben an die SZ. Der Name „Asatru“ bedeutet laut Verfassungsschutz frei übersetzt „Treue zu den Asen“, einem Göttergeschlecht aus der altnordischen Mythologie. Die Band lehne in ihren Texten die Demokratie ab, ihre Lieder seien ausländerfeindlich und rassistisch, so die Behörde.

Auf Asatru angesprochen, gab sich der Nordland-Betreiber wortkarg. „Dazu sage ich nichts.“ (
Von Heiko Engel)

Quelle: Sächsische Zeitung, 06.06.2007

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