27-01-2004 / Heidenau In Heidenau wird heute der Opfer des Nationalsozialismus gedacht

Die Stadt Heidenau ehrt heute den Antifaschisten Fritz Gumpert. Er wurde 1933 von den Nazis erst gefoltert, dann brutal ermordet. In der Stadt selber ist der Fritz-Gumpert-Platz nach ihm benannt. Dort steht ein Stein, den kaum noch jemand kennt. Er gehört mit zu den vergessenen Plätzen in Heidenau: Der Fritz-Gumpert-Platz. Denn während dort täglich hunderte vorbeigehen, kennt kaum jemand die

Die Stadt Heidenau ehrt heute den Antifaschisten Fritz Gumpert. Er wurde 1933 von den Nazis erst gefoltert, dann brutal ermordet. In der Stadt selber ist der Fritz-Gumpert-Platz nach ihm benannt. Dort steht ein Stein, den kaum noch jemand kennt. Er gehört mit zu den vergessenen Plätzen in Heidenau: Der Fritz-Gumpert-Platz. Denn während dort täglich hunderte vorbeigehen, kennt kaum jemand die Geschichte des Namensgebers. Kein Wunder. Auch der Fritz-Gumpert-Gedenkstein versteckt sich hinter dichten Büschen und Sträuchern. Doch heute, zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus, soll sich das ändern. Die Stadt Heidenau hat ihre Feier zum Tag des Opfer des Nationalsozialismus dem überzeugten Kommunisten gewidmet.

Es muss eine ungeheure Demonstration der Solidarität gewesen sein, jener 28. April 1933. Im kleinen Heidenau gaben gleich 3 000 Bürger dem Antifaschisten Fritz Gumpert das letzte Geleit. Ganz vorn seine Frau und die Kinder. Sprachlos vor Wut und Entsetzen. Im Sarg lag nämlich nur noch ein Häuflein Mensch. So übel zugerichtet, dass die Nazis verboten hatten, den Sarg zu öffnen. Aus gutem Grund. Gumpert ist zuvor wochenlang gefoltert und zum Schluss zu Tode getreten worden.

Der Heidenauer ist in Thüringen geboren

Dabei ist Gumpert gar nicht in Heidenau geboren, sondern 1892 im thüringischen Triptis. An die Elbe hat es ihn erst 1913 gezogen, wo er in der Zellulosefabrik von Hoesch & Co 21,65 Mark wöchentlich verdiente, 30 Prozent weniger, als das damalige Existenzminimum. Politisch in Erscheinung getreten ist Gumpert Anfang der zwanziger Jahre. In den Akten der Pestalozzischule Heidenau findet sich ein Jahresbericht von 1929, der Gumpert als Mitglied der KPD-Betriebszelle erwähnt. 1923 wurde Gumpert dort entlassen, er hatte sich an einem Streik für höhere Löhne beteiligt. Erst 1924 fand er wieder Arbeit in der Firma, wurde wiederum politisch aktiv und kämpfte für die Absenkung der Akkordzeiten und gegen Überstunden.

So viel Engagement kam an in der Arbeiterschaft. Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 konnten sowohl in Dohna, als auch in Heidenau die Kommunisten die größte Stimmenzahl aller Parteien erringen. Im Heidenauer Stadtparlament nahm die KPD neun Sitze ein.

Natürlich sehr zum Ärger der Nationalsozialisten, die nun versuchten, ihre Herrschaft mit allen Mitteln durchzusetzen.

Vom 28. Februar bis Mitte März 1933 wurden in Heidenau 161 Arbeiter verhaftet, darunter alle Abgeordneten der beiden großen Arbeiterparteien. Die Bevölkerung reagierte mit demonstrativen Treffs, so auf dem Gelände des heutigen Platzes der Freiheit, auf der Pirnaer Straße und am Sportheim. Bis die Situation am 4. März eskalierte und 20 Protestierer verhaftet wurden.

Gumpert landet in Königstein-Halbestadt

Auch Fritz Gumpert, der erst in Dresden, dann in Königstein-Halbestadt inhaftiert wurde. Zeitzeugen berichten von unvorstellbaren Misshandlungen, die Gumpert ertragen musste. Er sollte nämlich seine Genossen verraten. Als er sich weigerte, soll er regelrecht gefoltert worden sein. So weit das möglich war, kümmerte sich ein Heidenauer Mithäftling um den Gequälten. Max Kuske erinnerte sich später, wie ihm und Gumpert Gummiknüppel in die Hand gedrückt wurden, mit denen sich beide gegenseitig schlagen sollten. Als sie dies ablehnten, wurden sie so lange misshandelt, bis sie ohnmächtig zusammenbrachen und längere Zeit liegen blieben. Getötet wurde Gumpert schließlich von einem SA-Mann aus Radebeul, der vom Tisch auf den hilflosen Häftling sprang, bis Gumpert in den Armen eines Genossen starb. Seiner Frau teilte man mit, er sei an Magen- und Darmbluten verstorben. Es soll sogar Fotos von den Folterungen geben. Gemacht hat sie der Fotograf Rudolf Nesajda. Später sind sie nach Tschechien geschmuggelt worden, wo sie in der Arbeiter-Illustrierten Zeitung veröffentlicht wurden. Bilder von Gumpert gibt es übrigens kaum. Im Heidenauer Stadtarchiv liegt nur eine recht schlechte Aufnahme, die nicht reproduziert werden kann. Auch andere Quellen schildern das Leben Gumperts unbebildert.

Hausdurchsuchungen gehören zum Alltag

Auch seine Familie hatte unter den Nazischergen zu leiden. Gumperts Sohn Herbert, damals zwölf, erinnert sich: „Wir hatten in der Nähe der Wohnung einen Schrebergarten, auch wir Kinder halfen dort oft den Eltern, unseren kärglichen Lebensunterhalt etwas aufzustocken. Bei einer Hausdurchsuchung zogen die SA-Leute auch zum nahe gelegenen Garten, um dort zu graben und alles zu zerwühlen. Einmal wollten sie schon triumphieren, weil sie glaubten, etwas gefunden zu haben, aber es war nur die Kartoffelmiete von Frau Gumpert. Gefunden haben sie nichts!“

Gumperts Sarg darf nicht geöffnet werden

Gumperts Sarg wurde unter der Bedingung nach Heidenau überführt, dass er nicht geöffnet werden durfte. Es war überhaupt die einzige Überführung, die aus Halbestadt erlaubt wurde. Frau Gumpert musste sie auch noch selbst bezahlen. Als der misstrauisch gewordene Vater Gumpert den Sarg dennoch öffnen ließ, sah er den entsetzlich geschundenen Körper seines einzigen Sohnes.

Nicht zuletzt deshalb begleiteten rund 3 000 Heidenauer Fritz Gumpert auf seinem letzten Weg.

Die Fakten zum Text hat Regina Michael recherchiert. Sie ist Lehrerin in Dohna und eine der Rednerinnen beim Festakt auf dem Heidenauer Friedhof. Die Gedenkfeier beginnt heute, 18 Uhr, auf dem Nordfriedhof, Nordstraße 31.Von M. Busche und R. Michael

Quelle: Sächsische Zeitung Dienstag, 27. Januar 2004

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