15.04.2006 / Reinhardtsdorf-Schöna Während sich Olaf Ehrlich klar von den Rechten distanziert, grenzt sich sein Mitbewerber Frank Zimmermann nicht ab.

Die Kandidaten sitzen vorn – links Olaf Ehrlich im Sweatshirt, rechts Frank Zimmermann mit Sakko und Schlips. Ihnen gegenüber trinken rund 30 Einwohner an Biertischgarnituren Bier, Wasser, essen Ragout fin, lauschen den Lebensläufen der beiden und erfahren so, dass Zimmermann schlecht hört oder Ehrlich Finanzminister beim Fasching ist.Das Kandidatenforum vor der Bürgermeisterwahl in Die Kandidaten sitzen vorn – links Olaf Ehrlich im Sweatshirt, rechts Frank Zimmermann mit Sakko und Schlips. Ihnen gegenüber trinken rund 30 Einwohner an Biertischgarnituren Bier, Wasser, essen Ragout fin, lauschen den Lebensläufen der beiden und erfahren so, dass Zimmermann schlecht hört oder Ehrlich Finanzminister beim Fasching ist.

Das Kandidatenforum vor der Bürgermeisterwahl in Reinhardtsdorf-Schöna verlief am Mittwochabend ruhig, teils witzig. Brisanter wurde es erst, als die Fragestunde begann und prompt die Stellung zur NPD interessierte. Während Ehrlich dabei abermals eindeutig Position gegen die NPD bezog, hat sein Mitbewerber um den vakanten Posten bei dieser Frage keinen klaren Standpunkt vertreten.

„Ich bin gegen Niemanden“, sagte Zimmermann immer wieder in der Reinhardtsdorfer Sporthalle. Auch mehrere Nachfragen von den Bürgern, zum Beispiel ob er die NPD als verfassungsfeindlich ansehe, konnten dem 57-jährigen Ex-Gastwirt und früheren LPG-Hauptbuchhalter aus Schöna kein eindeutiges Urteil über die Partei entlocken. Der Parteilose wolle eventuellen rechtsextremen Vorfällen nachgehen, sagte er bloß, jedoch für alle da sein, keinen ausgrenzen und mit jedem reden. Zimmermanns Auftritt hinterließ den Eindruck, dass er am rechten Rand fischen und mit den NPD-Wählern – bei der letzten Bundestagswahl waren es 14,4 Prozent – Bürgermeister werden will. Dies bezeichnete der anwesende Stadtchef aus Bad Schandau, Andreas Eggert (parteilos), nach der Veranstaltung als sehr bedenklich. Pirnas couragiertes Oberhaupt, Markus Ulbig (CDU), sagte am Donnerstag: „Ich erwarte von einem Bürgermeister-Kandidaten, dass er klar gegen die NPD Position bezieht.“

Genau dies tat Zimmermanns Konkurrent Olaf Ehrlich von der Wählervereinigung 94. Der 37-jährige Schönaer Gastwirt äußerte während des Forums zwar auch, auf sachlicher Ebene mit den beiden gewählten NPD-Gemeinderäten zusammenarbeiten zu wollen. Aber er grenzte sich konsequent von der NPD und ihren Zielen ab, bezeichnete deren Wahlerfolge als Grund für das schlechte Image der Gemeinde. „Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ich nicht ein Bürgermeister für alle sein will“, betonte Ehrlich.

Der Umgang mit der NPD kristallisierte sich als größter Unterschied der zwei Kandidaten heraus. In anderen Punkten stimmten sie im Großen und Ganzen überein. Sie wollen beide was für die Jugend tun, den Tourismus fördern, die örtlichen Vereine unterstützen und die Bürgerbeteiligung erhöhen.

Dies sind auch die Ziele der dritten Kandidatin, Gabriele Könemann (die SZ berichtete). Die 47-jährige parteilose Kleingießhüblerin konnte aus beruflichen Gründen am Mittwoch nicht teilnehmen, wie sie sagte. Ihre Stellung zur NPD beschrieb sie im Voraus so: Sie sei gegen die NPD, wolle sich jedoch auf sachlicher Ebene den Rat von deren Ortspolitikern einholen.

Moderiert wurde das Forum, das eineinviertel Stunden dauerte, von Ex-Bürgermeister Arno Suddars (CDU). Weil er sein 68. Lebensjahr vollendete und deshalb am 31. März gehen musste, ist die Neuwahl am 23. April überhaupt nötig.

Von Marco Mach