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„Wir müssen klar Stellung gegen Rechtsextremismus beziehen“

06.02.2010 / Pirna

Herr Gockel, seit Anfang des Jahres sind Sie der Koordinator gegen Extremismus Pirnas und des Landkreises. Was machen Sie dabei konkret?

Ich sorge dafür, dass die vielen unterschiedlichen Stellen und Initiativen auf diesem Gebiet in Verbindung bleiben und deren Absprachen und Treffen funktionieren und bestehen bleiben. Außerdem halte ich die Behörden auf dem Laufenden und bin für alle die zentrale Anlaufstelle.

Ihr Vorgänger, Sven Forkert, sitzt jetzt mit ähnlicher Funktion im sächsischen Innenministerium. Besteht zu ihm weiterhin Kontakt?

Ja, wir stehen in sehr engem Kontakt zueinander. Er koordiniert auf Landesebene, was ich für die Kommunen und den Landkreis mache.

Sie waren vorher Stadtsprecher in Pirna. Inwieweit hilft Ihnen diese Erfahrung bei ihrer jetzigen Tätigkeit?

Ich habe den Vorteil, dass ich dadurch bereits einen Einblick in die Region und die Abläufe besitze und die Ansprechpartner kenne. Wie in meiner Arbeit als Pressesprecher muss ich auch jetzt vermittelnd tätig werden und die Kommunikation zwischen verschiedenen Seiten herstellen und verbessern.

Im März halten Sie auf dem bundesweiten Reputationsgipfel in Münster einen Vortrag über „Wider den braunen Anstrich: Wie die Stadt Pirna ihr rechtes Image abgelegt hat“. Was steckt dahinter?

Wir müssen weiter klar Stellung gegen Rechtsextremismus beziehen. Mit diesem Leitsatz hat Pirnas früherer Oberbürgermeister Markus Ulbig das Problem thematisiert. Wichtig im Kampf gegen diese Feinde der Demokratie ist, deutliche Akzente zu setzen. So wurde zum Beispiel mit der Aktion Zivilcourage der Markt der Kulturen ins Leben gerufen, der sich immer größerer Beteiligung erfreut und Pirnas Ruf nachhaltig verbessert hat. Darüber hinaus wurde ein Modell entwickelt, das Behörden und Initiativen miteinander verknüpft. So konnte die Akzeptanz zum Beispiel zwischen Polizei und Sozialarbeitern gesteigert werden. Geholfen haben auch die Bürgerbriefe, um gegen Propaganda aufzuklären.

Ist auf der anderen Seite aber auch das Problem des Extremismus kleiner geworden?

Das Problem ist noch immer da. Wir brauchen im Kampf gegen Extremismus einen langen Atem und die Arbeit lässt sich nicht kurzfristig zu einem Erfolg führen.

Der Fokus bleibt dabei auf dem Rechtsextremismus?

Ja, wir konzentrieren uns weiter auf Zurückdrängung des Rechtsextremismus. Die politisch motivierten Gewalttaten im Zusammenhang mit Linksextremismus belaufen sich konstant auf Null.

Und gibt es auch Zahlen, die belegen, dass es sich nicht nur um eine Rufverbesserung handelt?

Die rechtsextremistisch motivierten Gewaltdelikte sind deutlich zurückgegangen. So wurden 2005 im Altkreis Sächsische Schweiz noch 29 solcher Straftaten registriert. Im Jahr 2008 gab es im gesamten neuen und größeren Kreis nur noch elf dieser Übergriffe. Und diese wurden auch alle aufgeklärt. Die Opferberatung Sachsen sieht unseren Landkreis inzwischen nicht mehr als Schwerpunkt beim Problem des Rechtsextremismus.

Das Gespräch führte Alexander Müller

Quelle: Sächsische Zeitung, 06.02.2010

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