Jeder sollte sich für ein tolerantes Miteinander einsetzen, damit wir nicht irgendwann in einer Gesellschaft leben in der sich jeder selbst der Nächste ist und Wegschauen Vorrang vor Mithilfe hat.
Lisa Kaiser (Volksbund Sachsen e.V.) aus Dresden
Schatten auf glänzendem Messing
12.07.2007 / Bautzen In Bautzen wurden gerade gesetzte „Stolpersteine“, Gedenken an jüdische Familien, mit schwarzer Farbe übergossen.Die Farbe wurde schon kurz nach der Entdeckung entfernt. Die eilends herbeigerufene Reinigungsfirma machte Namen und Daten auf den Platten rasch sichtbar. Aber auch wenn das Messing wieder glänzt: Schatten bleiben. Entsetzen und die Sorge um den Ruf der Stadt machen sich breit. „Das ist kein Dummer-Jungen-Streich“, erklärt Oberbürgermeister Schramm (CDU) auf einer extra einberufenen Pressekonferenz von Verwaltung und Stadtrat. Es handele sich um eine ganz abscheuliche Straftat.
Die untersucht jetzt die Polizei. „Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung“, sagt Petra Kirsch, Sprecherin der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien. „Wir gehen von einem Anschlag aus.“ Mehr will sie vorerst nicht sagen. Wen kann Erinnerung so stören, dass er umgehend mit schwarzer Farbe das Gedenken – und sei es noch so klein – auslöschen will?
Mehr Spender als benötigt
Stadtrat und Stadtspitze waren sich einig. In Bautzen soll es Erinnerungsorte für die Nazi-Opfer geben. Der Arbeitskreis „Begegnung mit dem Judentum“ organisierte die Gedenkaktion, bezog Schüler des Sorbischen Gymnasiums mit ein. Die Elftklässler recherchierten zur Geschichte der ehemaligen jüdischen Bürger. Bautzener Einwohner übernahmen die Finanzierung der Betonquader mit Messingplatte. Es meldeten sich sogar mehr Spender als notwendig, so Peter-Paul Straube vom Arbeitskreis.
Gunter Demnig verlegte die ersten „Stolpersteine“ im Januar 2003 im badischen Freiburg. Inzwischen gibt es mehr als 11000 in mehr als 250 Orten in Deutschland. Auch in Zittau und in Görlitz erinnern „Stolpersteine“ an das Schicksal jüdischer Familien.
In Bautzen will die Stadtspitze reagieren. Oberbürgermeister Schramm will in einer Veranstaltungsnacht im Bautzener Petrie-Dom mit Liedern und Kabarett gegen den „braunen Sumpf“ vorgehen, Gesprächsforen und Veranstaltungen in Schulen organisieren. Die ehemalige Mittelschul-Lehrerin und Linksfraktions-Stadträtin Georgia Brauer erinnert sich noch gut an das Stadtfest „Bautzen ist bunt“ vergangenes Jahr. Dort tauchten auch Rechtsextremisten auf. „Ich habe einige meiner ehemaligen Schüler durchmarschieren sehen. Die rechte Szene ist stark.“
Gerade deshalb soll die Gedenkaktion nächstes Jahr weitergehen. „Wir brauchen ,Stolpersteine‘, die uns mahnen, aber auch wach bleiben lassen gegen alle Versuche, Nationalismus, Rassenhass und Intoleranz wieder hoffähig zu machen“, erklärten OB Schramm und Peter-Paul Straube vom Arbeitskreis.
Quelle: Sächsische Zeitung, 12.07.2007




























































































































