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Schatten auf glänzendem Messing

12.07.2007 / Bautzen In Bautzen wurden gerade gesetzte „Stolpersteine“, Gedenken an jüdische Familien, mit schwarzer Farbe übergossen.
Noch nicht einmal der Beton dürfte ausgehärtet gewesen sein. Elf „Stolpersteine“ verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an zwei deportierte und ermordete jüdische Familien am Dienstag in Bautzen. Die vier glänzenden kleinen Messingtafeln in der Reichenstraße und die sieben in der Siebergasse im Zentrum der historischen Stadt mahnen an das Schicksal derNoch nicht einmal der Beton dürfte ausgehärtet gewesen sein. Elf „Stolpersteine“ verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an zwei deportierte und ermordete jüdische Familien am Dienstag in Bautzen. Die vier glänzenden kleinen Messingtafeln in der Reichenstraße und die sieben in der Siebergasse im Zentrum der historischen Stadt mahnen an das Schicksal der Menschen, die einst hier gelebt hatten. Keine 24Stunden später übergossen Unbekannte die Steine mit einer schwarzen Farbe. Anwohner alarmierten die Polizei, die Stadt erstattete Anzeige.

Die Farbe wurde schon kurz nach der Entdeckung entfernt. Die eilends herbeigerufene Reinigungsfirma machte Namen und Daten auf den Platten rasch sichtbar. Aber auch wenn das Messing wieder glänzt: Schatten bleiben. Entsetzen und die Sorge um den Ruf der Stadt machen sich breit. „Das ist kein Dummer-Jungen-Streich“, erklärt Oberbürgermeister Schramm (CDU) auf einer extra einberufenen Pressekonferenz von Verwaltung und Stadtrat. Es handele sich um eine ganz abscheuliche Straftat.

Die untersucht jetzt die Polizei. „Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung“, sagt Petra Kirsch, Sprecherin der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien. „Wir gehen von einem Anschlag aus.“ Mehr will sie vorerst nicht sagen. Wen kann Erinnerung so stören, dass er umgehend mit schwarzer Farbe das Gedenken – und sei es noch so klein – auslöschen will?

Mehr Spender als benötigt

Stadtrat und Stadtspitze waren sich einig. In Bautzen soll es Erinnerungsorte für die Nazi-Opfer geben. Der Arbeitskreis „Begegnung mit dem Judentum“ organisierte die Gedenkaktion, bezog Schüler des Sorbischen Gymnasiums mit ein. Die Elftklässler recherchierten zur Geschichte der ehemaligen jüdischen Bürger. Bautzener Einwohner übernahmen die Finanzierung der Betonquader mit Messingplatte. Es meldeten sich sogar mehr Spender als notwendig, so Peter-Paul Straube vom Arbeitskreis.

Gunter Demnig verlegte die ersten „Stolpersteine“ im Januar 2003 im badischen Freiburg. Inzwischen gibt es mehr als 11000 in mehr als 250 Orten in Deutschland. Auch in Zittau und in Görlitz erinnern „Stolpersteine“ an das Schicksal jüdischer Familien.

In Bautzen will die Stadtspitze reagieren. Oberbürgermeister Schramm will in einer Veranstaltungsnacht im Bautzener Petrie-Dom mit Liedern und Kabarett gegen den „braunen Sumpf“ vorgehen, Gesprächsforen und Veranstaltungen in Schulen organisieren. Die ehemalige Mittelschul-Lehrerin und Linksfraktions-Stadträtin Georgia Brauer erinnert sich noch gut an das Stadtfest „Bautzen ist bunt“ vergangenes Jahr. Dort tauchten auch Rechtsextremisten auf. „Ich habe einige meiner ehemaligen Schüler durchmarschieren sehen. Die rechte Szene ist stark.“

Gerade deshalb soll die Gedenkaktion nächstes Jahr weitergehen. „Wir brauchen ,Stolpersteine‘, die uns mahnen, aber auch wach bleiben lassen gegen alle Versuche, Nationalismus, Rassenhass und Intoleranz wieder hoffähig zu machen“, erklärten OB Schramm und Peter-Paul Straube vom Arbeitskreis.

Quelle: Sächsische Zeitung, 12.07.2007

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