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Rassismus in der C-Jugend

13.06.2007 / Sachsen Die Eskalation der Gewalt ist ein dauerhaftes Problem in Sachsens Fußball
Gut ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem der deutsche Fußball von der letzten großen Sicherheitshysterie erfasst wurde. Im Herbst 2006 randalierten Dresdner Fans in Berlin, im Februar stürzten sich Hunderte Anhänger des 1. FC Lok Leipzig auf die Polizei, mehr als 60 Menschen wurden verletzt. Zudem drangen immer wieder rassistische Schmähungen an die Öffentlichkeit. Die Wochen danach waren aufreibend, die Gewalt im Fußball wurde als plötzlich wiederkehrendes Phänomen verklärt. Viele Funktionäre erwiesen sich als überfordert und ahnungslos, noch mehr Politiker nutzten die Plattform zur eigenen Profilierung.

Es ist ein Phänomen, dass die jüngsten Vorfälle im sächsischen Fußball vergleichsweise wenig Aufsehen erregen. Am Sonntag stürmten Fans von Dynamo Dresden nach dem Landespokalfinale beim FC Erzgebirge Aue II (2:0) den Rasen, schlugen sich mit Polizisten, rissen Bänke aus der Verankerung. Wenige Tage zuvor, am Himmelfahrtstag, war ein Vorfall sogar aus der Kinderliga bekannt geworden. In Wurzen, einer Kleinstadt bei Leipzig, hatten sich Spieler aus der C-Jugend, 12 bis 14 Jahre alt, rassistisch und antisemitisch beschimpft. Alkoholisierte Zuschauer pöbelten gegen Ausländer.

Verantwortliche des Heimvereins, des ATSV Frisch Auf Wurzen, versuchten, den Fall klein zu halten. Erst der Assistent des Schiedsrichters meldete den Skandal. Das ist lobenswert, doch abgebrochen wurde die Partie nicht. Zumindest die Sanktionen gegen den Klub wurden ohne Verzögerung ausgesprochen: 1 200 Euro Strafe, Punktabzug und Spielsperre. Und dennoch verdeutlicht die Aufarbeitung das allgemeine Dilemma: Es werden Bemühungen geäußert, die Sensibilität ist gewachsen, doch noch immer gibt es keine gemeinsame Sprache; Schiedsrichter, Funktionäre und Politiker blockieren sich selbst.

In Sachsen ist die Gewalt ein dauerhaftes Problem - von einer dauerhaften Bekämpfung kann keine Rede sein. Erst am 1. Juli stellt der Fußballverband einen Sicherheitsbeauftragten ein. Problemklubs wie Dynamo Dresden oder Lok Leipzig spielen auf Bewährung, sie haben sich erst nach gravierenden Vorfällen von ihren gewaltbereiten Fans distanziert und Initiativen gestartet. Das sozialpädagogische Fanprojekt in Dresden leistet gute Arbeit, aber es wird von Landespolitikern in Frage gestellt. Sie verkennen, dass das Projekt erst seit zwei Jahren mit einem vernünftigen Etat arbeiten kann. Die Sozialarbeiter haben ihr Konzept langfristig angelegt, sie werden keine 30-jährigen Hooligans bekehren können, aber sie können Jugendliche positiv beeinflussen. Erfolge werden sich frühestens in fünf bis zehn Jahren zeigen.

Diese Geduld scheint Sachsen nicht aufbringen zu wollen. Als eines von zwei Bundesländern verweigert es die Beteiligung an der Drittelfinanzierung, wonach Fanprojekte vom DFB, von der Kommune und vom Land getragen werden. Ein Antrag im Parlament auf mehr Förderung der Fanprojekte wurde gerade abgeschmettert. "Das ist ein Skandal", sagt Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte in Frankfurt am Main.

Die Grenzen des DFB

Ähnlich wie in der Dopingdebatte zeigt sich auch in der Gewaltthematik, wie widerwillig die Ursachenbekämpfung angegangen wird. Auch die gut gemeinte Offensive des DFB stößt an Grenzen. Das neue Meldesystem scheint nicht ausgereift zu sein, viele Vorfälle dringen gar nicht oder verspätet an die Öffentlichkeit. "Leider können wir nicht zu allen 80 000 Spielen am Wochenende einen Kontrolleur schicken", sagt Helmut Spahn, der DFB-Sicherheitschef. Auch die unter großem Lärm gegründete Task Force hat bislang kaum Ergebnisse vorgebracht, in acht Monaten kamen die Untergruppen zweimal zusammen. Auch die Organisation des Fan-Kongresses am übernächsten Wochenende in Leipzig verläuft schleppend. Zurzeit scheint das wenige zu interessieren, doch die nächste Hysterie kommt bestimmt.      (Ronny Blaschke)

Mehr zum Thema auch in der Financial Times vom 13.06.2007

Quelle: Berliner Zeitung, 13.06.2007

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