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Nazis raus oder drin lassen?

31.05.2007 / Sächsische Schweiz Die in Schöna und Königstein entfachte Diskussion geht weiter.
Wie sollen Vereine mit NPD-Mitgliedern und Rechtsextremen in ihren Reihen umgehen? Diese Frage wird zurzeit im Landkreis heiß diskutiert. Und dabei vor allem der Umgang des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge mit Carmen Steglich, der NPD-Kreisgeschäftsführerin. Im Gegensatz zum Heimatverein Schöna, der jüngst NPD-Mann Mario Viehrig aus dem Vorstand wählte,Wie sollen Vereine mit NPD-Mitgliedern und Rechtsextremen in ihren Reihen umgehen? Diese Frage wird zurzeit im Landkreis heiß diskutiert. Und dabei vor allem der Umgang des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge mit Carmen Steglich, der NPD-Kreisgeschäftsführerin. Im Gegensatz zum Heimatverein Schöna, der jüngst NPD-Mann Mario Viehrig aus dem Vorstand wählte, distanzierte sich der Vorstand des Tourismusvereins zwar von der rechtsextremen Partei, steht aber weiter zu Steglichs Mitgliedschaft als Vermieterin. Das führte sogar soweit, dass CDU-Kreistagsfraktionschef Mike Ruckh von Vereinschef Ivo Teichmann (SPD) den Rücktritt forderte – wonach Ruckh jedoch nicht nur von der SPD, sondern auch aus den eigenen Reihen, wie von Parteikollege Helmut Verdang, kritisiert wird. Doch nicht nur das: „Die Absicht des Herrn Ruckh ist nach meiner Meinung doch wohl schnell durchschaut. Es geht gewissen Kreisen in der CDU im Zusammenhang mit der durchaus berechtigten Kritik gegenüber dem Tourismusverein in erster Linie nicht um die Bekämpfung des Rechtsextremismus im Landkreis, sondern um die Zurückdrängung des Vereins“, schreibt ein SZ-Leser. Ralf Wätzig (SPD) fordert von allen Vereinen und Bürgern, klar Position gegen Rechts zu beziehen.

Und was sagt eigentlich Carmen Steglich zu dem Ganzen? Sie sei ordentliches Mitglied im Tourismusverein und werde von sich aus definitiv nicht austreten. (
Von Marco Mach)



Helmut Verdang (CDU) ist Vize-Landrat, schreibt aber als Privatperson.


Rechtsordnung achten

Als langjähriges CDU-Mitglied, das schon politische Verantwortung in Rats- und Parteigremien getragen hat, als Herr Ruckh noch auf der Suche nach einer politischen Heimat war, erlaube ich mir, der von ihm vorgetragenen Rücktrittsforderung an Ivo Teichmann energisch zu widersprechen.

Gleichfalls will ich deutlich machen, dass ich mich in keiner Weise mit der NPD als Partei und erst recht nicht mit deren Gedankengut gemein mache. Aber die Auseinandersetzung mit ihr kann und darf nur auf dem Boden des Grundgesetzes und der darauf fußenden Rechtsordnung erfolgen, auf keinen Fall dürfen rechtliche Rahmenbedingungen, wie das Vereinsrecht, politisch beliebigen Interpretationen unterworfen werden. Führt man Ruckhs Gedanken fort, müsste ab sofort jeder Verein in unserem Kreis ausforschen – oder sich ausforschen lassen –, ob nicht NPD-Mitglieder in seinen Reihen sind, deren Ausschluss bzw. Ächtung man dann verlangen könnte.

Ich denke, dass die institutionalisierte Gesinnungsschnüffelei wohl der Vergangenheit angehören muss. Rechtsextremes Verhalten ist da zu bekämpfen, wo es sich zeigt, nicht wo man es vermutet.

Herr Ruckh sollte bedenken, dass die soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung von Menschen und Bevölkerungsgruppen das probate Mittel der Nationalsozialisten war, die Gleichschaltung in den Köpfen der Bevölkerung während der NS-Diktatur zu erreichen. Derartiges Vorgehen muss für Demokraten schon im Ansatz ausgeschlossen sein.



Ralf Wätzig ist Leiter des SPD-Bürgerbüros in Pirna:

Vereinssatzung ändern

Wer kann schon hundertprozentig ausschließen, dass Nazis im eigenen Verein, in der eigenen Initiative, im Elternbeirat oder in sonstigen gesellschaftlichen Netzwerken aktiv sind? Umso mehr verwundert mich das an den „Pranger stellen“ des Tourismusvereines und seines Vorsitzenden Ivo Teichmann durch die hiesige CDU-Kreistagsfraktion. Was will sie damit erreichen? Geht es in diesem Fall wirklich um die Auseinandersetzung mit den Rechtsextremen?

Diese Auseinandersetzung mit den Nazis kann und darf nur auf dem Boden des Grundgesetzes und unserer Rechtsordnung erfolgen. Rechtsbeugung darf es nicht geben. Das verstärkt nur die Auffassung der Nazis von undemokratischen Demokraten.

Wir als Bürgerinnen und Bürger, als Vorstandsmitglieder und als politisch Verantwortliche sind vielmehr gefordert, klar und deutlich Position zu beziehen. Wir sind gefordert, rechtsextremen Gedanken und Verhaltensweisen dort entgegen zu treten, wo sie sich zeigen. Wir sind gefordert, rechtsextreme Strategien zu enttarnen und deutlich auszusprechen, was unter anderem die NPD und deren Mitglieder verkörpern: Verfassungsfeindlichkeit.

Dazu gehört eine klare Distanzierung. Dazu gehört auch, Rechtsextremen die Rote Karte zu zeigen, wenn sie sich vereins- und verfassungsfeindlich zeigen. Und dazu gehört wiederum – um dies auf vereinsrechtlicher und damit rechtsstaatlicher Grundlage tun zu können – zu prüfen, die Satzung dergestalt zu ändern.




Quelle: Sächsische Zeitung, Donnerstag, 31. Mai 2007

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