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Firma droht Politik mit Hausrecht für Rechte

28.06.2008 / Brandenburg / Pirna Unternehmer Mirko Schüring will mehr Polizeipräsenz am Kieswerk Zeischa erzwingen

Das hat es so noch nicht gegeben: Ein sächsischer Unternehmer erpresst die brandenburgische Politik mit Skinheads. Mirko Schüring, Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Weiland GmbH Kies-, Sand- und Betonwerk in Zeischa, hat gestern gegenüber der RUNDSCHAU wütend angekündigt, NPD-Mitgliedern aus dem benachbarten Freistaat Hausrecht für sein Betriebsgelände zu erteilen. Damit will er nach einem wiederholten Kupferkabel-Diebstahl von seinem Betriebsgelände die Aufmerksamkeit von Politik und Polizei auf sich ziehen, damit diese für mehr Sicherheit von Firmeneigentum sorgen. Der Unternehmer ist darüber hinaus nicht mehr gewillt, nochmals eine teure Reparatur des von den Dieben lahmgelegten Schwimmbaggers durchzuführen – und hat elf seiner zwölf Mitarbeiter fristlos entlassen.

Sichtlich erregt führt gestern Mirko Schüring zu jener Stelle, wo die Diebe in der Nacht zuvor zugeschlagen hatten. Zweimal hundert Meter mehradriges Kupferkabel wurden aus jener Leitung herausgeschnitten, die den Schwimmbagger mit Strom versorgen. Die Diebe müssen sich ausgekannt haben, vermutet der Firmenchef, denn normalerweise fließen durch diesen Kupferstrang 380 Volt. «Als vor drei Wochen schon einmal Kabel gestohlen wurde, ist uns die halbe Trafostation abgebrannt» , hält Mirko Schüring mögliche Manipulationen der Langfinger für wahrscheinlich.
Damals habe er 17 400 Euro für die Reparatur hinblättern müssen, wie er sagt. Insgesamt zwölf Mal sei seine Zeischaer Firma bereits heimgesucht worden. Davon sechs Mal in den zurückliegenden zwölf Monaten mit einem Gesamtschaden von 150 000 Euro. Den neuerlichen Diebstahlsschaden beziffert der Geschäftsführer auf rund 12 000 Euro. «Da springt keine Versicherung mehr ein» , sagt der Chef resigniert.
Er sei nicht bereit, weiter Geld für eine Reparatur auszugeben. «Ich bin dazu wirtschaftlich nicht mehr in der Lage und mache daher jetzt die Firma auf unbestimmte Zeit dicht» , kündigt Mirko Schüring an. Dann geht er zu seinen in einem Pausenraum versammelten Mitarbeitern, um sie über seinen Entschluss zu informieren. Bis auf einen, der die Verladung weiter betreiben soll, schickt Schüring alle zum Arbeitsamt. «Es tut mir leid für euch. Sollte sich jemand aus der Politik genötigt sehen, uns zu helfen, werde ich euch wieder einstellen» , sagt er seinen Leuten. Insgesamt zwölf standen bis dato bei Mirko Schüring in Lohn und Brot.
«Ich habe noch eine Firma bei Coswig in Sachsen, da ist noch nie eingebrochen worden. Aber hier klauen die wie die Raben und keiner unternimmt etwas dagegen» , redet sich der 36-Jährige im RUNDSCHAU-Gespräch immer mehr in Rage. Die Polizei habe nur einen Mann für die Ermittlungen vorbeigeschickt, zeigt er sich vom aus seiner Sicht mangelnden Engagement der Ordnungshüter enttäuscht.
Polizeisprecherin Ines Filohn sieht keinerlei Defizite bei den Ermittlungen. «Der Diebstahl wurde uns 7.05 Uhr gemeldet, wir haben einen Streifenwagen zur Absicherung des Tatortes ins Kieswerk geschickt, und kurz nach 8 Uhr traf ein Kriminaltechniker vor Ort ein, der diverse Spuren gesichert hat.» Die Polizei fahre in diesem Bereich unregelmäßig Streife, könne aber ein so großes Firmengelände nicht bewachen, so Ines Filohn.
«Das lasse ich mir nicht mehr länger bieten. Jetzt verschaffe ich mir Gehör» , droht der in Pirna beheimatete Unternehmer und fügt an, was er damit meint: «Ich wohne im Landkreis Sächsische Schweiz, habe bislang dort nichts mit den Skinheads zu tun gehabt. Doch nun erteile ich allen auf meinem Zeischaer Betriebsgelände Hausrecht. Ich bin kein Rechtsradikaler. Ich habe es aber satt, Brandenburg ist in Sachen Wirtschaft und Sicherheit Lichtjahre von Sachsen entfernt. Da werden zum Beispiel nach dem EM-Fußballspiel zwei Dönerbuden in Dresden angezündet und schon kümmern sich Politprominenz und Polizei darum. Vielleicht nimmt jetzt mal ein Politiker das Telefon in die Hand und fragt, wie er uns helfen kann. Ab nächster Woche läuft hier eine Streife. Alle, die kein NPD-Parteibuch haben, werden des Grundstücks verwiesen.» Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter habe er über diesen Sachverhalt informiert.
Dieser meinte auf RUNDSCHAU-Nachfrage: «Die erklärte Absicht von Herrn Schüring sehe ich aus einem emotionalen Moment heraus. Ich hoffe, dass sich diese Aussage relativieren wird.» Richter sieht zudem Gesprächsbedarf mit «Polizei und Gerichtsbarkeit» und regt mehr Polizeistreifen an, um der Diebstähle Herr zu werden. «Man muss dem Geschäftsführer das Gefühl geben, dass man sich seiner Probleme wirklich annimmt» , so das Stadtoberhaupt. Und was wird mit den bereits abgeschlossenen Lieferverträgen des Kieswerkes? Mirko Schüring beruft sich da auf «höhere Gewalt» . 1991 hatte er eine Firma im Speditions- und Betonbereich gegründet. Inzwischen sei er in der Betonbranche in Norwegen, Schweden, Luxemburg, Österreich, Tschechien, Polen und Weißrussland tätig. 2002 habe er dann die Firma Weiland gekauft, sei als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer Eigentümer vom See und dem angrenzenden Land.
Zum jüngst veröffentlichten Exposé der Kurstadt über mögliche Entwicklungsziele für dieses Areal meint Mirko Schüring: «Ich kenne das Exposé, habe mich dazu auch geäußert. Das, was da drin steht, ist nicht mal ansatzweise so zu machen.» Und was hat er selbst mit dem Gelände vor? «Geld verdienen.»

Quelle: Lausitzer Rundschau, 28.06.2008

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