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Es mangelt noch bei der Kommunikation

29. Juni 2007 / Liebstadt Die Initiative für eine tolerante Atmosphäre will künftig mit den Vereinen reden.
Die Tür springt auf, eine Frau kommt in das Pfarramt und blickt in die Stuhl-Runde: Wieder sitzen da nur die üblichen Gäste, die sich am Mittwoch-Abend zum Runden Tisch in Liebstadt treffen. Erneut ist ein freundliches und tolerantes Liebstadt das Thema. Dazu zählt, den ausländischen Bürgern des Ortes ein ganz normales Leben zu ermöglichen.Wie der Familie Pilima. Die fühlt sich immer nochDie Tür springt auf, eine Frau kommt in das Pfarramt und blickt in die Stuhl-Runde: Wieder sitzen da nur die üblichen Gäste, die sich am Mittwoch-Abend zum Runden Tisch in Liebstadt treffen. Erneut ist ein freundliches und tolerantes Liebstadt das Thema. Dazu zählt, den ausländischen Bürgern des Ortes ein ganz normales Leben zu ermöglichen.

Wie der Familie Pilima. Die fühlt sich immer noch nicht wohl in Liebstadt, sei sie doch in regelmäßigen Abständen Pöbeleien und ihr Haus oder Auto Sachbeschädigungen ausgesetzt. „Man macht was und wartet, ob was passiert“, sagt der Mosambikaner Paulino Pilima.

Die Frau stellt sich vor, will ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen. Sie wohne in der Nachbarschaft der Familie. „Aber was sollen wir machen?“, fragt sie in die Runde. „Wir haben die Anfeindungen nie mitbekommen.“

Ohne Zeugen kann die Polizei die Strafverfolgung nur sehr schwer aufnehmen, erklärt Bürgermeister Hans-Peter Retzler (PDS): „80Prozent der Fälle sind nur durch Zeugenaussagen aufzuklären.“ Der geäußerte Vorwurf, dass man wegschauen würde, stört die Nachbarin. Das stimme so einfach nicht, beteuert sie.

Pfarrer Olaf Börnert, der die Treffen initiiert, beschwichtigt: „Es war nie unsere Intention, die Nachbarn als Schuldige oder gar Rassisten hinzustellen.“ Aber man müsse schauen, was man gegen rechtsextreme Tendenzen unternehmen könne. Börnert ist bereits zum vierten Mal der Gastgeber der Runde. Er hatte im Vorfeld sogar bei den Nachbarn von Pilimas geklingelt und diese persönlich eingeladen. Der Ansatz müsse sein, verschiedene Sichtweisen zu hören, sagt er.

„Es darf aber nicht sein, dass wir dabei im eigenen Saft schmoren“, ergänzt Rolf Gründig, der eine enge Partnerschaft zwischen einer Schule in Namibia und der Liebstädter Grundschule aufgebaut hat. „Wir müssten durch Aktionen in direkten Kontakt mit den Personen treten“, regt er an. „Nur so kann man bestehende Vorbehalte abbauen.“ Das Problem sei nicht die Familie Pilima, wirft Sven Forkert, der Kreis-Koordinator gegen Extremismus, ein. „Was es aber gibt, ist eine mangelnde Kommunikation unter den Liebstädtern.“

Sei das nicht ein Problem des hiesigen Menschenschlages, fragt die Nachbarin. – „Ich bin offen für jedes Gespräch, jeder kann auf ein Glas Wasser oder Kaffee zu uns kommen“, antwortet Paulino Pilima. „Aber keiner kommt.“

Runder Tisch wird fortgeführt

Der Runde Tisch sei der richtige Weg, aber weitere Aktionen müssten folgen, fasst Börnert zusammen. Man werde deshalb das Gespräch mit den Liebstädter Vereinen suchen, „da das kulturelle Leben nun mal über sie läuft.“

Forkert schlägt außerdem eine Ausstellung der Landeszentrale für politische Bildung vor. Die trägt den Namen „Wir Afrikaner – die genetische Verwandtschaft der Menschen“ und zeigt die Idiotie von rassistischen Theorien. Forkert will organisieren, dass die Ausstellung in Liebstadt Station macht.

Bürgermeister Retzler ist sich sicher, dass dem vierten ein nächster Runder Tisch folgt. „Die Aktion zeigt, dass es hier in Liebstadt Leute gibt, die sich mit der aktuellen Situation nicht abfinden.“ (Von Lars Kühl)

Quelle: Sächsische Zeitung, Freitag, 29. Juni 2007

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