Die Aktion Zivilcourage gibt jungen Menschen die Möglichkeit und den Raum sich aktiv zu beteiligen und ihre eigenen Ideen einzubringen. Das stärkt nicht nur die eigene Persönlichkeit sondern macht unsere Gesellschaft lebendig!
Tom Waurig (Mitglied der Aktion Zivilcourage e.V.) aus Dresden
Das Problem hinter dem Problem angehen
28.01.2012 / DresdenBei der Diskussion um die Proteste und Blockaden gegen rechtsextreme Aufmärsche am 13. und 18. Februar müsse eines bedacht werden, sagt Superintendent Albrecht Nollau: "Es geht immer um Menschen. Auch auf der anderen Seite. Wir Christen wollen sie zur Umkehr, zum Umdenken bewegen." Der stellvertretende Superintendent Christoph Schneider ergänzt: "Diese Menschen, die vor zwei Wochen in Magdeburg marschiert sind, sehen schwärzer aus als die Gäste einer Trauerfeier. Sie trauern, weil sie nirgendwo in dieser Gesellschaft angekommen sind."
Blockaden, so die Christen, würden das Problem nicht lösen. Langfristige, äußerst mühsame Arbeit sei erforderlich. "Wir haben Verständnis für Menschen, die aus Gewissensgründen Naziaufmärsche gewaltfrei blockieren wollen. Aber ich selbst werde nicht zu Blockaden aufrufen", so Nollau. Zu Protesten gegen Rechtsextreme dagegen selbstverständlich - alle Christen der Stadt sollten dabei gemeinsam handeln. "Alles, was wir tun, wird friedfertig sein", kündigte Nollau an, und: "Wir haben unsere Termine mit denen der städtischen Arbeitsgruppe zum 13. Februar abgestimmt."
Die Kirchen rufen die Gemeindemitglieder dazu auf, sich an der Menschenkette am 13. Februar und an der Großkundgebung am 18. Februar zu beteiligen. "Wir müssen uns zeigen", erklärt Schneider, "wir müssen aus den Kirchen heraus auf die Straße gehen."
Auf die Straße bringen will Frank Richter, Moderator der Arbeitsgruppe 13. Februar, die unentschlossenen Dresdner mit einer drastischen Kampagne. "Krieg Deinen Arsch hoch!" werden die Fahrgäste der Verkehrsbetriebe demnächst in einer Kampagne aufgefordert, auch an anderen Orten in der Stadt ist der Appell zu lesen.
Mit 10 000 Teilnehmern an der Menschenkette und 10 000 Besuchern der Großkundgebung am 18. Februar rechnet Richter, wobei er auch sagt: "Wir haben keine Erfahrungen mit einer Kundgebung. Wir würden uns auch über 20 000 Teilnehmer freuen." Als Hauptredner hat die Arbeitsgruppe den langjährigen SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel verpflichtet. "Das ist im Konsens mit allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe geschehen", betont der Moderator.
Richter und Schneider haben sich jüngst zu einem "Kontaktgespräch" mit den Sprechern des Bündnisses "Nazifrei - Dresden stellt sich quer" getroffen. "Wir lehnen beide den Rechtsextremismus ab, wir bekennen uns beide zur Gewaltfreiheit", fasst Richter zusammen, "aber wir haben verschiedene Ziele: Das Bündnis will rechtsextreme Demonstrationen verhindern, wir wollen gegen Naziaufmärsche protestieren." Beide Seiten hätten festgestellt, dass man sich nicht in einer politischen Gegnerschaft zueinander befinde, so Richter. Beide Bündnisse seien in sich heterogen und beide hätten es sich zum Ziel gesetzt, wie die Kirchen das Problem hinter dem Problem anzugehen: "Uns wäre es am Liebsten, wenn wir uns mit etwas anderem als rechtsextremen Demonstrationen beschäftigen könnten."
Nach Angaben der Stadtverwaltung haben Rechtsextreme sowohl für den 13. als auch für den 18. Februar Aufmärsche mit 2000 Teilnehmern angemeldet.
Veranstaltungen am 13. Februar:
ab 10 Uhr - Frauenkirche geöffnet
15 Uhr - Gedenken auf dem Heidefriedhof (Bustransfer zum Heidefriedhof und zurück: Abfahrt 14 Uhr Rathaus, Kreuzstraße; 13.45 Uhr Tolkewitz, Haltestelle Kretschmerstraße; 14.15 Uhr Albertplatz, DVB-Hochhaus, 14.15 Uhr Rathaus Cotta, Haltestelle Altcotta; 13.45 Uhr Pirnaer Landstraße, Haltestelle Altleuben)
15 Uhr - Gedenkveranstaltung der Evangelischen Kirche und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf dem Johannisfriedhof, Wehlener Straße 13
17 Uhr - Auftakt für die Menschenkette am Rathaus
18 Uhr - Menschenkette
18.15 Uhr - Gedenkgottesdienst in der Kathedrale, Schlossplatz, mit Bischof Joachim Reinelt
18.15 Uhr - Dresdner Gedenkweg
18.30 Uhr - Neumarkt: Aktion "Zehntausend Kerzen für Dresden"
19 Uhr - Andacht in der Trinitatiskirchruine, Trinitatisplatz
19.30 Uhr - Friedensgebet in der Weinbergskirche Trachenberge
20.30 Uhr - Ökumenischer Gottesdienst in der Kreuzkirche
21.30 Uhr - Stilles Gedenken an der Gedenktafel des ehemaligen "Judenlagers Hellerberge", Radeburger Straße
21.45 Uhr - Geläut aller Dresdner Glocken
ab 22 Uhr - Nacht der Stille an und in der Frauenkirche
Veranstaltungen am 18. Februar:
10 Uhr - Öffentlicher Schabbatgottesdienst in der Synagoge Am Hasenberg
10 Uhr - Friedensgebete in der St. Markuskirche, Markusplatz; Martin-Luther-Kirche, Martin-Luther-Platz, Zionskirche, Augsburger Straße 59; Lukaskirche, Lukasplatz; Friedenskirche, Wernerstraße; im Anschluss Bittgänge zur Dreikönigskirche und Kreuzkirche
10 Uhr - Podiumsdiskussion zur Gedenkkultur in der Unterkirche der Frauenkirche
ab 11 Uhr - Mahnwachen vor der Frauenkirche, Himmelfahrtskirche Altleuben und St. Paulus, Bernhardstraße 42
13 Uhr - Kundgebung auf dem Schlossplatz mit Hauptredner Hans-Jochen Vogel, Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen) und vielen anderen
Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten, 28.01.2012




























































































































