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Tilo Schneider aus Stadt Wehlen
Männersache NPD
10.03.2008 / DeutschlandIn Mecklenburg-Vorpommerns Landtag hat die NPD deutlich gemacht, was sie von Gleichberechtigung hält: nicht gerade viel. Frauenrollen und Männerollen trennt die maskulin geprägte NPD-Führerschaft ziemlich kategorisch. Das wollte sie jetzt durch einen Antrag auf Abschaffung von "Gender Mainstreaming" ganz besonders unterstreichen, fordert also gleichstellungsorientierte Politik, nein danke! Doch diese NPD-Botschaft zum Frauentag ging nach hinten los. Denn auch in den eigenen Reihen wird sie nicht richtig verstanden und hat die NPD-Spitze nachlesbar in Erklärungsnot gebracht.
Am Abend der letzten Landtagswahl von Mecklenburg-Vorpommern sang deren Spitzenkandidat Udo Pastörs vor laufender Kamera ein Loblied auf die Frauen - die wäschewaschend ihre Männer so schön im Wahlkampf unterstützten. Ein klares Rollenbild in der NPD-Spitze wurde da verdeutlicht: er macht Politik, sie Hausarbeit und Nachwuchspflege. Als logische Konsequenz dieses Denkens landete Anfang März ein NPD-Entschlussantrag Antrag auf den Parlamentsschreibtischen des Landtags in Schwerin, unterzeichnet von Udo Pastörs und NPD-Kollegen. Der Titel: "Sämtliche "Gender-Mainstreaming"-Programme einstellen - Familien fördern." In diesem Sinne sollte der Landtag in den Bundesrat eine Initiative einbringen. Die Begründung las sich so, dass sie vermutlich auch NPD-Anhänger(innen) zweimal oder dreimal lesen mussten, um sie annähernd zu verstehen. Eine Kostprobe:
"Beim Gender Mainstreaming wird zwar auf den ersten Blick der Eindruck vermittelt, Männern wie Frauen zur Durchsetzung ihrer Rechte zu verhelfen. In der Endkonsequenz wird jedoch Gleichheit mit Gleichberechtigung verwechselt. Von der irrigen Vorstellung ausgehend, dass die biologisch bestimmte Rollenverteilung willkürlich, zufällig und somit änderbar sei, wird ein nebulöses "soziales Geschlecht" als Ersatz für das biologische Geschlecht in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns gestellt. Jeder soll dabei ein neues, ein soziales Geschlecht erhalten, das er - völlig unabhängig von seinem biologischen Geschlecht - selbst bestimmen kann. Schon in der Annahme der Existenz von Geschlecht liege eine gewaltsame Zuweisung von Identität ("Heterosexuelle Matrix"). Verbrämt mit Positiv-Worten wie "Familienpolitik" und "Erziehung" wird - nicht zuletzt infolge der propagierten offenen Geschlechtsidentität - die Gleichwertigkeit jeder Form sexueller Praxis gefordert. "GM" liegt die der Milieutheorie entlehnte Vorstellung von der beliebigen Programmierbarkeit des Menschen zugrunde. Tatsächlich erfolgt in der GM-Praxis keinerlei positive Vorbereitung auf Elternschaft und Familie. Sexualität, mithin die Reduktion auf bloße Körperlichkeit, reinen Spaß und "Selbstverwirklichung", belegt in der Gender-Wertehierarchie Platz 1. In deutlichen Ansätzen wird überdies der Pädophilie Vorschub geleistet...." uswusf.
Rechtzeitig vor dem Frauentag wurde im Schweriner Landtag tatsächlich über diese Drucksache 5/1308 diskutiert und abgestimmt - mitt dem Ergebnis laut Protokoll: "Ablehnung des Antrags", alle demokratischen Parteien unterstrichen das Grundrecht auf Gleichberechtigung von Frau und Mann sowie die Wahlfreiheit für ein selbstbestimmtes Leben.
Aus dem Beitrag des NPD-Abgeordneten Stefan Köster dagegen wurde deutlich, dass auch in eigenen Reihen unter Rechtsextremen eine leichte Irritation über Sinn und Unsinn dieses Antrags zu verzeichnen ist. Die NPD spreche sich nicht gegen Gleichberechtigung von Mann und Frau aus, versuchte er sich verteidigen, allerdings dürften die Begriffe "gleichwertig" und "gleichartig" nicht verwechselt werden. Zuvor schon hatte er nebulös auf der Mecklenburger NPD-Homepage begründet:
"Allmählich spricht sich doch herum, was mit dem wohl klingenden Gender-Mainstreaming tatsächlich gemeint ist. Es geht nicht um Gleichberechtigung oder Gleichstellung, sondern um die Leugnung und Abschaffung der Geschlechterunterschiede. Wofür man noch vor zwanzig oder dreißig Jahren in psychiatrische Behandlung überwiesen worden wäre, genießt heute nicht nur den Schutz der handelnden Politik. Staatliche Programme finanzieren diesen zwanghaften Irrsinn auch noch großzügig...".
Doch Irrsinn ist wohl eher dieser Antrag gewesen.
www.mut-gegen-rechte-gewalt.de / h.kulick
Quelle: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de (10.03.2008)






























































