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2001-08-20 / Nentmannsdorf
Aufregung in Nentmannsdorf Black Metal-Festival am Weinberg angekündigt / Behörden befürchten große Orgie von Rechtsextremen Von Peter Hilbert Am Nentmannsdorfer Weinberg soll vom 31. August bis 2. September ein Black Metal-Festival stattfinden. Dies wird im Internet angekündigt. Das hat Gemeinderat, Landratsamt und Verfassungsschutz auf den Plan gerufen. Befürchtet wird, dass sich in dem Bahretaler Ortsteil Hunderte Rechtsextreme treffen. "Ich bin entsetzt", macht sich Mirko Schüring Luft. Er sitzt für die Freien Wähler im Bahretaler Gemeinderat. Dort hat er sich genauso wie alle anderen Abgeordneten strikt gegen das angekündigte Black Metal-Festival am Nentmannsdorfer Weinberg ausgesprochen. Denn die Räte treibt die Sorge um, dass bei diesem Underground Festival die rechtsextreme Szene feiert und das idyllisch gelegene Dorf in Verruf bringt. Zumal im Internet sogar angekündigt ist, dass Zelt- und Parkplätze vorhanden sind. "So etwas brauchen wir in unserer Gemeinde nicht", steht für Schüring fest. "Ich stehe zwar den Rechten näher als den Linken. Von Rechtsextremismus halte ich aber gar nichts." Aufgeschreckt ist auch das Netzwerk gegen Rechtsextremismus. "Da kommt was auf uns zu, womit wir nicht gerechnet haben", sagt Vorstandsmitglied Helmar-Leo Blech. Der Pirnaer Ex-Polizeichef hat mit seinem Team fieberhaft recherchiert. Das Ergebnis ist erschreckend. Angesagt haben sich mehrere Black Metal-Bands, die Beziehungen zur rechtsextremen Szene haben. Beispielsweise die Geraer Gruppe Totenburg. Diese war unter anderem beim Konzert in der Borthener Diskothek "Cool" im Januar 2000 aufgetreten, das die Polizei gewaltsam aufgelöst hatte. In Nentmannsdorf soll auch die hiesige Gruppe "Magog" mitmischen, die teilweise aus ehemaligen Mitgliedern der verbotenen "Skinheads Sächsische Schweiz" (SSS) besteht. Allein das ist für Blech Grund genug, warnend seine Stimme zu erheben. Sowohl Landratsamt als auch Gemeinde haben jedoch mehr Fragen als Antworten. In beiden Behörden liegt bis heute keine Anmeldung für das Festival vor. Allerdings habe der Kreis bereits am 23. Juli die "notwendigen Schritte eingeleitet", teilt Sprecherin Astrid Linke mit. Die Gemeinde sei aufgefordert worden, als Eigentümer eine Nutzung des Grundstücks fürs geplante Konzert zu verhindern. "In jedem Fall" will das Landratsamt die rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um ein rechtsextremes Konzert zu verhindern. Das versichert zumindest Linke. Sachsens Verfassungsschutz sieht noch keine Möglichkeit einzugreifen, sagt Referatsleiter Rechtsextremismus, Volker Lange. Zwar gebe es Anhaltspunkte dafür, dass zwei der angekündigten Black Metal-Gruppen Beziehungen zu rechtsextremen Bands haben. Aber das reiche nicht aus. Verboten werden könnten in Sachsen laut Versammlungsgesetz nur Konzerte rechtsextremer Skinhead-Gruppen. Eines ist Lange aber schon klar: Ein derartiges Black Metal-Festival ziehe Jugendliche aus der rechten Szene magisch an. Bahretals Bürgermeisterin Brigitte Kolba (parteilos) ist nunmehr in Zugzwang geraten. Ihr Auftrag vom Gemeinderat: Verhinderung des Festivals. Dazu ist sie auch entschlossen. Das Gelände am Weinberg hat ihr Vorgänger Siegfried Pietzsch an den Motorsportclub Bahretal (MSC) zur kostenlosen Nutzung verpachtet. Hier finden unter Federführung des Clubs Crossveranstaltungen und Motorradtreffen statt. Der Verein ist jedoch Verfassungsschützer Lange nicht unbekannt: Bei den Motorsport-Veranstaltungen in Nentmannsdorf gäben sich regelmäßig ehemalige Mitglieder der verbotenen SSS ein Stelldichein. Und das in nicht geringer Zahl. Die rechtsextreme Truppe beteiligte sich beim MSC auch anders. Im SSS-Heft "Froindschaft" verwies man stolz darauf, sich "auf dem Weinberg zum Autocross als Sicherheitsdienst bewährt" zu haben. Bürgermeisterin Kolba hat nun den MSC-Vorsitzenden Uwe Fritzsche per Brief aufs Amt zitiert, um den Fall zu klären. Doch bislang ließ er sich noch nicht blicken. Die Ratschefin stellt klar. "Sollte das Ganze einen rechtsextremen Hintergrund haben, erwägen wir die Vereinbarung mit dem MSC zu kündigen." Gemeinderat Schüring, der als Unternehmer bislang den MSC finanziell unterstützt hatte, stärkt ihr den Rücken: "Die Leute vom MSC sind hier übers Ziel hinaus geschossen." Völlig überrascht gibt sich MSC-Chef Fritzsche: "Von einem Black Metal-Festival weiß ich nichts", reagiert er auf die SZ-Frage. Mit Leuten aus Gera habe er nie Kontakt gehabt. Eine derartige Veranstaltung hätte Fritzsche doch der Bürgermeisterin und dem Ordnungsamt gemeldet. Im Verein seien 59 Mitglieder. "Am Ende werden wir alle noch als Rechtsradikale hingestellt", befürchtet er. "Ich lasse das Festival 100-prozentig nicht zu. Und wenn 500 Mann vor der Tür stehen." Die SZ versuchte die "Pesten Production" aus Gera zu erreichen, die die Konzert-Ankündigung ins Internet gestellt hatte. Unter den angegebenen Info-Handynummern ist aber seit Tagen niemand zu erreichen. Unwissen und schweigende Telefone - was wird nun mit dem Konzert? Gar so groß scheint das Unwissen in MSC-Kreisen jedoch nicht zu sein. Im Frühjahr erzählte ein Vereinsmitglied einem Dorfbewohner noch ganz stolz, dass dieses Jahr ein ganz großes Konzert in Nentmannsdorf steigen wird.

Quelle: Sächsische Zeitung Mittwoch, 22. August 2001
Black Metal-Festival in Nentmannsdorf abgesagt Gemeinde will jetzt Regelung für Veranstaltungen
Nentmannsdorf. Bahretals Bürgermeisterin Brigitte Kolba (Wählerinitiative) ist froh. Das im Ortsteil Nentmannsdorf geplante Black Metal-Festival kann offenbar verhindert werden. Es sollte auf dem Areal am Weinberg vom 31. August bis 2. September stattfinden. Der Motorsportclub Bahretal (MSC) hat dieses Gelände von der Gemeinde für zehn Jahre gepachtet. Befürchtet wurde, dass sich bei der Veranstaltung Hunderte Rechtsextreme treffen. Gemeindechefin Kolba konnte eine Einigung mit MSC-Chef Uwe Fritzsche erzielen. Dieser war am Montag zu einem Gespräch bei ihr. Dabei stellte sich heraus, dass der Verein das Areal für das Festival-Wochenende an einen Dritten verpachtet hat. Kolba habe darauf verwiesen, dass dies laut BGB die Zustimmung der Gemeinde als Eigentümer erfordert. Der MSC hätte jetzt die Veranstaltung abgesagt. Der Verein und die Gemeinde einigten sich auf folgendes: Noch in dieser Woche soll eine Ergänzung zum zehnjährigen Pachtvertrag unterzeichnet werden. Darin wird festgeschrieben, dass nur das traditionelle Weinbergfest, die Crossläufe und das Ostereiersuchen ohne Genehmigung stattfinden dürfen. Alle anderen Veranstaltungen müssen bei der Rathauschefin extra beantragt und von ihr abgesegnet werden. Auch beim offensichtlichen Veranstalter, der "Pesten Production" Gera gab es jetzt eine telefonische Auskunft. Das Festival ist abgesagt und soll vielleicht später in Berlin steigen.
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