Galerie

Neuste Galerie:

Newsletter

Tragen Sie hier Ihre E-Mail-Adresse ein, um alle 14 Tage aktuelle Hinweise über unsere Projekte und Veranstaltungen zu erhalten.

Links

bunz teeno augenauf1 canna2

AZ-TV

aztv2

Web 2.0

facebook4 google1 twitter youtube studi1 schler1 benefind1

KZ-Außenlager Pirna-Zatzschke

zurück - weiter

Informationen und Dokumente zum Forschungsstand des Pirnaer KZ-Außenlagers Mockethal-Zatzschke.

 

 

Die Inhalte dieser Seite wurden uns freundlicherweise von Herrn Hugo Jensch zu Verfügung gestellt. Zur Internetseite von Hugo Jensch kommen Sie hier: http://www.geschichte-pirna.de/

 

Gegen Ende des Jahres 1944 wälzte sich die Kriegsfurie dorthin, woher sie ausgegangen war. Im Angesicht der katastrophalen Niederlage mobilisierte die Hitlerregierung alle Reserven für den „totalen Krieg“. Alle Betriebe wurden der Rüstung untergeordnet, alle dafür nicht geeigneten ohne Rücksicht auf dringende Lebensbedürfnisse der Bevölkerung geschlossen. Jeder halbwegs Brauchbare unterlag dem Wehrdienst. Die Lücken an menschlichen Arbeitskräften waren nicht mehr aufzufüllen. Nachschub an Zwangsarbeitern stockte infolge des Verlusts an Rekrutierungsgebieten. So blieb allein der Rückgriff auf KZ-Häftlinge. Deren Zahl stieg. Ghettos wurden im Sommer 1944 aufgelöst, die verbliebenen arbeitsfähigen Juden in KZ überführt. Diese vermehrten ihre Außenlager, die vielfach Rüstungsbetrieben angegliedert waren.

Nach dem Bombardement auf deutsche Treibstoffwerke in Leuna, Böhlen, Lützkendorf, Zeitz und andere verloren Luftwaffe und Panzerverbände infolge des Ausfalls annähernd der Hälfte benötigter Treibstoffe erheblich an Aktionsfähigkeit.

Hitlers Erlaß „über die Bestellung eines Generalkommissars für die Sofortmaßnahmen beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion“ führte zur Ernennung von Edmund Geilenberg zum Bevollmächtigten für die Wiederingangsetzung der Hydrierwerke. Weil davon Vieles erneuten Bombenangriffen zum Opfer fiel, setzte nun eine hektische Betriebsamkeit zur Verlagerung in unterirdische Stollenwerke ein. Mehrere Projekte betrafen unseren Kreis. Sie wurden bei massenhaftem Einsatz von KZ-Häftlingen vorangetrieben.
Im Oktober 1944 waren für das Elbsandsteingebirge drei Standorte genannt bzw. auserkoren worden: Die Herrenleite bei Pirna, die Kirchleite bei Königstein und im Polenztal bei Porschdorf.
Unter der Tarnbezeichnung „Ofen“ wurden in der Herrenleite bei Mockethal mit einem Abstand von zwei Kilometern unter der Regie der Deutschen Gasolin AG Berlin Kleindestillationsanlagen namens „Ofen 11 und 12 in der „Alten Poste“ 1 und „Ofen 13 und 14 in der „Alten Poste“ 2 aufgebaut. Die zu errichtende Schmierölfabrik erhielt die Bezeichnung „Dachs VII“.

Die Gasolin AG brachte auch eine Anzahl von Fachkräften aus den zerstörten Produktionsstätten mit. Die Bauausführung lag bei der Organisation Todt (OT). Bis zur ersten Produktion in der Herrenleite wurden 5 Monate benötigt. Bis zur Beendigung des Krieges konnte diese Anlage jedoch nur zu 20 % fertig gestellt werden.

Am 10. Januar 1945 wurden die ersten KZ-Häftlinge zum Ausbau des Objektes „Dachs VII“ zum Einsatz gebracht, wo schon zivile Zwangsarbeiter mit den Bauarbeiten unter OT-Kommando begonnen hatten.
Für die Häftlinge wurde in einem Kiesgrubengelände bei Zatzschke ein Lager eingerichtet (links an der Straße nach Doberzeit-Lohmen). Unter ihnen waren im Gegensatz zu Königstein und Porschdorf auch eine größere Anzahl polnischer Juden, aber auch ca. 50 Italiener und Angehörige von zehn weiteren Nationen. Über den Aufbau des Unterkunftslagers heißt es im Bericht des ehemaligen deutschen Häftlings Paul K.: „Ich kam mit einer Vorhut von etwa 60 Häftlingen nach Pirna. Wir sollten ein Barackenlager für etwa 2000 Häftlinge errichten. Als wir ankamen, war bereits eine behelfsmäßige Baracke für uns vorhanden. [...] Als wir mit den Arbeiten begannen, lag noch Schnee.“

Es entstanden 10 Baracken, die mit Stacheldraht eingezäunt waren. Über die Arbeitsbedingungen in der Herrenleite sagte der ehemalige italienische Häftling Sergio R. folgendes aus. „Es ist mir bekannt, dass die Arbeitsbedingungen in jenem Steinbruch, wo Stollen in den Felsen gegraben wurden für den Bau von Treibstofflagern, wie es hieß, furchtbar waren, und dass die Gefangenen, die aus Schwäche nicht mehr arbeiten konnten, mit Schlägen getötet wurden. Solche Vorfälle haben sich sicher auch ereignet auf der Strecke zwischen dem Lager und dem Steinbruch selbst. …Ich selbst habe die Tötung miterlebt zweier meiner Kameraden, die durch Unterernährung völlig entkräftet waren, ein gewisser Andrea Cerlin und Not, beide aus Görz. Beide wurden durch Hiebe mit einer Spitzhacke getötet.“ Über Morde an Häftlingen durch die SS -Leute, die unter der Führung des Lagerkommandanten Erich v. Berg standen, und dem kriminellen Lagerkapo Popowski, gibt es mehrere Berichte ehemaliger Häftlinge.

Nach der Bombardierung Dresdens im Februar 1945 brachte die SS zeitweise KZ-Häftlinge verschiedener Dresdner Außenkommandos, deren Arbeitsstätten ausgebombt worden waren, im Lager Mockethal-Zatzschke unter, so von den Außenkommandos „Universelle“, Florastraße und Bernsdorf & Co, Schandauer Straße. Drei ehemalige Häftlingsfrauen des Außenkommando „Universelle“ gaben nach Kriegsende im September 1945 einen Bericht, in dem es u.a. heißt. „Wir wurden in das Ausweichlager Zatzschke gebracht. Hier befanden sich bereits 400 Häftlinge (männliche, weibliche, selbst Kinder). In den Räumen unserer Baracke befanden sich weder Betten noch Waschgelegenheiten sowie Aborte. Auch hier mussten wir, nur mit einer dünnen Decke versehen, auf dem Fußboden schlafen. Es wurde auch keine Rücksicht auf Kranke genommen, auch für sie beschaffte man weder Stroh noch Bett. Die jüdischen Häftlinge hatten noch nicht einmal eine Decke. In unseren Raum wurde einfach eine alte Lore aufgestellt, ohne Deckel, in die wir unsere Notdurft verrichten mussten. Bei der verpesteten Luft mussten wir schlafen, denn die Fenster durften nicht geöffnet werden. Sogar das Wasser wurde uns zugeteilt. so erhielten wir jeder eine Tasse Wasser, zu der wir auch noch trinken mussten. Als die Lagerleitung sich einmal an den Gastwirt der ‚Weißen Taube‘ mit der Bitte um Wasser wandte, da sich im Lager keine Wasserleitung befand, gab L. zur Antwort. dass er für Häftlinge kein Wasser habe, der Brunnen würde sich erschöpfen.

Als Essen bekamen wir Kartoffeln mit Schalen in Wasser gekocht als Suppe und zwar am Tage ½ Liter, abends bekamen wir 150g Brot. Wäsche erhielten wir auch nicht zum Wechseln. Wir waren gezwungen, ständig in unseren Kleidern zu bleiben ... Es war ein Bild des Grauens, die abgemagerten Menschen und kranken Menschen am Boden liegen zu sehen. Oft kamen wir tagelang nicht ins Freie und dann nur auf einige Minuten. Hier wurden wir von Aufseherinnen, die alle mit Knüppeln versehen waren, bewacht. Wir mussten ohne jegliche Kopfbedeckung im Kreis herumlaufen. Dies war für uns besonderes hart, da man uns, als wir nach Dresden auf Transport kamen, sämtliche Haare abgeschnitten hatte und zwar ganz kahl. Dies tat man deshalb, damit wir bei einem evtl. Fluchtversuch leicht erkennbar waren. ... Infolge der schlechten Ernährung und Fehlen von Medikamenten erkrankten viele Häftlinge und starben täglich mehrere. Sie wurden einfach jeder Kleidung entblößt, vor das Fenster der Baracke gelegt und blieben dort tagelang liegen, bis wieder einige hinzukamen. Dann wurden sie zur Beisetzung nach Lohmen geschafft, Leiche über Leiche gelegt. Zuletzt gab man sich gar nicht mal diese Mühe, sondern legte sie einfach hinter das inzwischen provisorisch erbaute Klosett, wo sie nach Tagen im Freien verbrannt oder im angrenzenden Busch verscharrt wurden. Besonders hart wurden auch die Juden behandelt. Man schlug wahllos mir Knüppeln auf sie ein, ohne Rücksicht auf Kranke und Kinder. Die Männer mussten im Steinbruch arbeiten, besonders schlecht wurden wir auch von einem SS-Mann mit Vornamen ‚Max‘ behandelt.“

Die Frauen holte die SS Anfang März nach Dresden zurück. So gelangten auch die Kinder Michal und Josef Salomonowic mit Ihrer Mutter, die sie Als Mädchen ausgegeben hatte, wieder nach Dresden. Die Männer des Außenkommandos Bernsdorf & Co blieben in Mockethal-Zatzschke.

Über eine entsetzliche Mordtat im Lager berichten übereinstimmend die ehemaligen italienischen Häftlinge Sergio R. und Dr. Tiberio T.: So sagte Sergio R. aus: „Am Morgen der Evakuierung aus dem Lager wurden 7 Frauen getötet. Diese Frauen gehörten zu einer Gruppe von 110-130, vorwiegend Jüdinnen, die am Abend zuvor im Lager angekommen waren und bereits Hunderte von Kilometern zuvor zurückgelegt hatten; ich weiß nicht, woher sie kamen. Die Frauen verbrachten die Nacht im Lager, und am folgenden Morgen wurden diejenigen, die nicht mehr gehen konnten, zu den Latrinen geschleppt und von den Posten getötet, d. h. Truppen, alten Wachen, die in letzter Zeit für diesen Hilfsdienst geholt worden waren. Ich selbst habe gesehen, wie die Frauen mit Schüssen, die auf kürzeste Entfernung in den Unterleib abgefeuert wurden, getötet wurden.“ Die Aussage des Dr. Mario T. lautet: „Ich erinnere mich daran, daß am Morgen des 15. April 1945 eine Baracke geräumt wurde.... Sofort nach der Räumung setzte ich eine Arbeit fort, die ich in der Baracke selbst angefangen hatte. Kurz darauf kamen vier gefangene Polinnen in die Baracke, die mir sagten, daß sie wegen ihres körperlichen Zustandes nicht in der Lage wären, sich zu Fuß zu bewegen. Es kamen zwei SS-Soldaten herein; sie unterhielten sich und gingen hinaus. Unmittelbar darauf kam einer der beiden in die Baracke zurück, und mit der Maschinenpistole tötete er vor meinen Augen die vier Frauen, eine nach der anderen. Ein junger Franzose und ich arbeiteten schreckerfüllt weiter.“ Über Tötungen während des Evakuierungsmarsches sagte Dr. Mario T. weiter: „Während unseres Marsches wegen der Verlegung nach Leitmeritz konnte ein Mann aus Friaul nicht mehr weiter, weil er mit seinen Kräften am Ende war; er begab sich zur Seite der Straße, und ein SS-Soldat tötete ihn auf Befehl des österreichischen Wachtmeisters. Später warf sich ein anderer Deportierter, ein junger Mann aus Valvolciana (in der Nähe von Görz) ebenfalls zur Seite der Straße, weil er fertig war, und auch er wurde von einem SS-Soldaten getötet auf Befehl des österreichischen Wachtmeisters, der unsere Kolonne befehligte.“

Der schon genannte Sergio R. machte folgende weitere Aussage: „Viele Gefangene wurden auf ein Schiff auf der Elbe verbracht, um die Sicherheit zu haben, dass sie nicht flohen. Auf das Schiff kamen sehr viele Gefangene unter unmenschlichen Bedingungen, einer neben den anderen ohne irgendwelche Hygiene, und sie erfuhren Misshandlungen. Wegen dieser Bedingungen, wegen der Entkräftung starben sehr viele Häftlinge.“

Die im Lager Zatzschke untergebrachten und in der Herrenleite arbeitenden Häftlinge kamen sowohl aus Flossenbürg als auch aus der Dresdner Fabrik Bernsdorf. Im Zusammenhang mit dem Abbruch der Bauarbeiten im Bergstolln im Polenztal (Porschdorf) wurden 12 Häftlinge zum Objekt „Dachs VII“ nach Mockethal-Zatzschke abgestellt.

Von den im Lager zu Tode gekommenen Häftlingen wurden 47 auf dem Friedhof in Lohmen bestattet, 7 weitere fanden nach Exhumierung im Herbst 1945 im Friedenspark ihre letzte Ruhestätte. Über die Anzahl der Opfer kann es wahrscheinlich kaum jemals erschöpfende Ermittlungen geben, da schwer erkrankte Häftlinge nach Leitmeritz abgeschoben wurden und dort starben. In den Flossenbürger Büchern sind aus Zatzschke lediglich 13 Todesfälle vermerkt.

Einer der schwer Erkrankten, Heinrich Weißkohl, jüdischer Arbeiter aus Łȯdz (Lager Bernsdorf, Dresden), verstarb im Pirnaer Krankenhaus am 25.12.1945 und wurde am 31.12. auf dem Pirnaer Friedhof beerdigt.
Das Außenlager erreichte zu keiner Zeit sein vorgesehenes Ausmaß. Die Pläne zur unterirdischen Treibstoffproduktion erwiesen sich als illusorisch und wurden im April 1945 aufgegeben. Die Häftlinge kamen auf Evakuierungsmarsch, zuerst in Richtung Osterzgebirge, dann aber nach Leitmeritz, wo sie im Mai ihre Befreiung erlebten.

Vom KZ-Außenlager Zatzschke findet man heute so gut wie keine Spuren. Auf dem Gelände befindet sich jetzt eine Einrichtung der Pirnaer Polizei.

 

Benutzte und weiterführende Literatur:

Brenner, Hans, Zur Rolle der Außenkommandos des KZ Flossenbürg im System der staatsmonopolistischen Rüstungswirtschaft des faschistischen deutschen Imperialismus und im antifaschistischen Widerstandskampf 1942-1945, phil. Diss., S. 101 ff., Dresden 1982.
Brenner, Hans, Eiserne „Schwalben“ für das Elbsandsteingebirge. KZ-Häftlingseinsatz zum Aufbau von Treibstoffanlagen in der Endphase des zweiten Weltkrieges. In: Sächsische Heimatblätter Heft 1 1999, S. 9-16.

Rudolf Kriegisch, Betriebschronik der Erdölverarbeitungsstätte Herrenleite bei Pirna. StAP, PDS-Bestand, S 017, Opfer des Faschismus.

www.feldbahnmuseum-herrenleite.de/ - Links – Industrie- und Technikgeschichte, dort: Geschichte der Herrenleite - von Dieter Kosin.

www.geschichte-pirna.de/krieg.htm

Download:

Historische Dokumente, Berichte und Publikationen zum aktuellen Forschungsstand zum KZ Mockethal-Zatzschke können Sie hier im PDF-Format herunterladen.

 

zurück - weiter

zurück zur Übersicht

P11005061 P1100562 P1100496 P1100583 P1100505 P1100575 P1100603 P1100604