Galerie

Neuste Galerie:

Newsletter

Tragen Sie hier Ihre E-Mail-Adresse ein um regelmäßig unsere Veranstaltungshinweise zu erhalten.

News per SMS

Die neuesten Infos direkt per SMS.

Specials

facebook11 myspace Grafik110 youtube Grafik110_110x120 studivz1 dampfer.net Uniwerk Logo Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e.V.

Gedänkstätte Pirna - Sonnenstein

Adresse:

Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
Schlosspark 11
01796 Pirna
Tel.: 03501 710960
Fax: 03501 710969
E-mail: gedenkstaette.pirna@stsg.smwk.sachsen.de
Internet: www.pirna-sonnenstein.de

 

Ausserdem können Sie auch die Internetseite des Kuratoium Sonnenstein besuchen:
www.kuratorium-sonnenstein.de

 

Öffnungszeiten:

Montag - Freitag: 9:00 - 15:00 Uhr
Jeden 1. Sonnabend im Monat 10:00 - 15:00 Uhr

 

Zur Geschichte der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein

Nationalsozialistische Verbrechen auf dem Sonnenstein

In der nationalsozialistischen Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein wurden in den Jahren 1940 und 1941 etwa 15 000 Menschen umgebracht. Es waren vorwiegend psychisch Kranke und geistig Behinderte, am Ende auch Häftlinge aus Konzentrationslagern. Diese Vernichtungsanstalt ist, nicht zuletzt wegen der Zahl ihrer Opfer, einer der schlimmsten Orte nationalsozialistischer Verbrechen in Sachsen. Die Tötungsanstalt Sonnenstein diente der personellen, organisatorischen und technischen Vorbereitung des Holocaust.

 

Perfekt organisierter Krankenmord

Im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ wurden unter Leitung von Dienststellen der NSDAP und einer speziell geschaffenen Zentrale der Vernichtungsaktion in der Tiergartenstraße 4 in Berlin in den Jahren 1940 und 1941 sechs Tötungsanstalten im Deutschen Reich eingerichtet, in denen mehr als 70 000 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen aus psychiatrischen Einrichtungen, Alters- und Pflegeheimen und Krankenhäusern vergast wurden. Eine dieser Vernichtungsanstalten befand sich in Pirna-Sonnenstein.

Im Frühjahr 1940 ließ die Berliner „Euthanasie“-Zentrale in einem abgeschirmtem Teil des Anstaltsgeländes eine Tötungsanstalt einrichten: Im Keller eines Krankengebäudes – Haus C 16 - wurde eine Gaskammer installiert und ein Krematorium eingebaut. Der vier Häuser umfassende Komplex wurde an der Elb- und Parkseite mit einer heute noch weitgehend vorhandenen Mauer, an den übrigen Abschnitten mit einem hohen Bretterzaun umgeben, um die Vorgänge im Innern zu verdecken.

Ende Juni 1940 nahm die Vernichtungsanstalt ihren Betrieb auf. Hier arbeiteten in den Jahren 1940/41 insgesamt etwa 100 Angestellte: Ärzte, Pfleger, Fahrer, Schwestern, Bürokräfte, Polizisten. Mehrmals wöchentlich wurden Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten mit Bussen abgeholt und auf den Sonnenstein gebracht. Nach Passieren des von einem Polizeikommando bewachten Eingangstores der Anstalt wurden die Opfer vom Pflegepersonal im Erdgeschoss des Hauses C 16 nach Männern und Frauen getrennt in je einen Aufnahmeraum gebracht. In einem weiteren Raum wurden sie einzeln in der Regel zwei Ärzten der Anstalt vorgeführt, die eine fingierte Todesursache festlegten. Nach der „Untersuchung“ mussten sich die Menschen unter der Aufsicht von Schwestern und Pflegern in einem weiteren Raum entkleiden. Anschließend wurden jeweils 20 bis 30 Menschen unter dem Vorwand, es ginge ins Bad, in den Keller gebracht. Dort wurden sie in die als Duschraum mit mehreren Brauseköpfen an der Decke hergerichtete Gaskammer geführt. Dann schloss das beteiligte Personal die Stahltür zur Gaskammer. Ein Anstaltsarzt kam hinzu, drehte den Gashahn an einer Kohlenmonoxid-Flasche auf und beobachtete den Tötungsvorgang, der etwa fünf Minuten dauerte.

Nach dem Absaugen des Gases wurden die Leichen von Heizern aus der Gaskammer herausgezogen und in zwei Koksöfen verbrannt. Zuvor wurden noch ausgewählte Patienten seziert und vorhandene Goldzähne herausgebrochen. Die Asche der Opfer wurde auf der Anstaltsdeponie abgelagert oder nachts einfach hinter dem Haus den Elbhang hinuntergeschüttet. Das „Standesamt Sonnenstein“ versandte an die Hinterbliebenen eine Sterbeurkunde mit gefälschter Todesursache und einen standardisierten „Trostbrief“. Ermordet wurden auf dem Sonnenstein Frauen und Männer aller Altersstufen und selbst Kinder, unter anderem aus dem „Katharinenhof“ im sächsischen Großhennersdorf und aus der Landesanstalt Chemnitz-Altendorf. Die auf dem Sonnenstein ermordeten Kranken kamen aus Sachsen, Thüringen, Schlesien und Teilen Bayerns. Bis zum 24. August 1941, als Adolf Hitler vor allem aus innenpolitischen Gründen den sogenannten „Euthanasie-Stop“ erließ, wurden im Rahmen der „Aktion T4“ in Pirna-Sonnenstein insgesamt 13 720 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen vergast.

 

Vorlauf der „Endlösung“

Im Sommer 1941 wurden dann zusätzlich mehr als tausend Häftlinge aus Konzentrationslagern im Rahmen der „Aktion 14f 13“ in Pirna-Sonnenstein ermordet. Zu diesem Zeitpunkt verfügten die Lager noch nicht über eigene Gaskammern. Das Ausmaß der Häftlingstransporte nach dem Sonnenstein ist noch nicht vollständig bekannt. Belegt sind Transporte aus den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Buchenwald und Auschwitz. An der Massenvergasung von fast 600 Häftlinge des KZ Auschwitz Ende Juli 1941 zeigt sich der Übergang zu einer neuen Dimension der Verbrechen.

In der ersten Hälfte des Jahres 1942 wurden in Ostpolen Lager zur Vernichtung der polnischen Juden eingerichtet, die auf die Erfahrungen der „Aktion T4“ zurückgreifen konnten. Etwa ein Drittel der Mitarbeiter der Tötungsanstalt Sonnenstein wurden in den Jahren 1942 und 1943 in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka eingesetzt.

 

Verwischte Spuren

Im Laufe des Sommers 1942 wurde die „Euthanasie“-Anstalt Sonnenstein aufgelöst. Die Gaskammer und das Krematorium wurden abgebaut. Nach sorgsamer Verwischung der Spuren der Verbrechen wurden die Gebäude seit Ende 1942 als Wehrmachtlazarett genutzt. Im sogenannten Dresdner Ärzteprozess im Sommer 1947 wurden einige der Beteiligten an der Mordaktion auf dem Sonnenstein zur Verantwortung gezogen. Das Dresdner Schwurgericht verurteilte Prof. Hermann Paul Nitsche, der vom Frühjahr 1940 an einer der medizinischen Leiter der Krankenmordaktion im Deutschen Reich gewesen war, sowie zwei Sonnensteiner Pfleger zum Tode.

In Pirna wurde nach dem Ärzteprozess kaum noch über die hier verübten Verbrechen gesprochen. Diese wurden über vier Jahrzehnte verdrängt und weitgehend verschwiegen. Auf dem Gelände des Sonnensteins wurde ein von der Öffentlichkeit abgeschirmter Großbetrieb errichtet, der auch die Gebäude der Tötungsanstalt nutzte.

 

Entstehungsgeschichte der Gedenkstätte

Erst seit Herbst 1989 drang das historische Geschehen allmählich in das öffentliche Bewusstsein der Stadt. Am 1. September 1989 wurde im Evangelischen Gemeindezentrum Pirna-Sonnenstein anlässlich des 50. Jahrestages des Beginns der nationalsozialistischen Krankenmordaktionen auf Initiative einiger an der Aufklärung interessierter Bürger eine kleine Ausstellung des Historikers Götz Aly zur „Aktion T4“ eröffnet, die viel öffentliche Beachtung fand. In der Folge entstand eine Bürgerinitiative zur Schaffung einer würdigen Gedenkstätte für die Opfer der „Euthanasie“-Verbrechen auf dem Sonnenstein. Im Juni 1991 konstituierte sich das Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e.V.

Nach archivalischen Forschungen und bauarchäologischen Untersuchungen in den Jahren 1992 bis 1994 wurden die zur Tötung genutzten Kellerräume von Haus C 16 seit 1995 rekonstruiert und als Gedenkstätte hergerichtet. Im Auftrag der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft entstand eine ständige Ausstellung zur Dokumentation der Verbrechen, die am 9.Juni 2000 der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Gedenkstätte Pirna Sonnenstein Gedenkstätte Pirna Sonnenstein Gedenkstätte Pirna Sonnenstein Gedenkstätte Pirna Sonnenstein Gedenkstätte Pirna Sonnenstein