Sowohl der Demokratie als auch der Zivilcourage liegt ein Prinzip zugrunde, dass Voltaire einst treffend beschrieb: Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst.
Norbert Bläsner (FDP, Mitglied des Sächsischen Landtages) aus Heidenau
Reisetagebuch - deutsch-israelischer-palästinensischer Fachkräfteaustausch der Jugendarbeit vom 16. bis zum 25. Juli 2010
Nicole Nesbor (25)
Studentin der Sozialpädagogik und Mitglied der Oase – Landeskirchliche Gemeinschaft Pirna e.V.
Tag 1 in Israel - „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, heißt es so schön. Um 11 Uhr sollte unser Flug direkt von Berlin – Schönefeld nach Tel Aviv gehen. Deshalb starteten wir in Pirna schon um 5 Uhr in der Früh bzw. 5:30 Uhr in Dresden, um ausreichend Zeit für die durchschnittlich höheren Sicherheitskontrollen mitzubringen. Jede/r wurde intensiv befragt, was wir in Israel machen werden und warum, wen wir dort kennen, was wir an Geschenken mitnehmen bzw. ob wir etwas von anderen Leuten erhalten haben oder ob jemand etwas unwissend in unsere Taschen gesteckt hat usw. Damit soll die Sicherheit für das Land, aber auch für jede/n Einreisende/n selbst gewahrt bleiben. Zwischendurch hatten wir viel Zeit, doch als wir endlich ins Flugzeug einsteigen konnten, stieg die Vorfreude – der Traum wird wahr, das Abenteuer kann beginnen.
Nach gefühlten 27 Runden auf dem Flugplatz entschied sich dann auch der Flugkapitän schließlich für einen Start und unserer Reise stand nun nix mehr im Weg: Israel, wir kommen! Auf in die Lüfte, dem Himmel entgegen, eine Drehung Richtung Südosten, alles unter uns wurde kleiner und kleiner. Unser Weg führte über Polen, die Ukraine, Rumänien, das Schwarze Meer, die Türkei und über das Mittelmeer nach Tel Aviv. Wir flogen mit der israelischen Fluggesellschaft „El Al“, deren Personal uns sehr freundlich bediente. Das Mittagessen stimmte uns schon etwas auf das für uns „unbekannte Neuland“ ein: mit Humus, Pitabrot, orientalisch gewürztem Gemüse, Geflügel und Fisch hatten viele von uns ihre erste Begegnung mit der israelischen Küche. Mit der Zeit kam unser Ziel näher, wir erblickten den Strand von Tel Aviv und bekamen einen ersten „Überblick“ über die Stadt.
Ungefähr 15:45 Uhr israelischer Zeitrechnung landeten wir auf dem 2006 eröffneten Flughafen „Ben Gurion“ in Tel Aviv. Kein Wölkchen am Himmel, die Sonne schien voller Inbrunst bei etwa 33 Grad Celsius, doch im Flughafengebäude war es sehr klimatisiert. Diese Temperaturunterschiede sollten uns die kommenden Tage noch viel begleiten. Sehr herzlich wurden wir von unseren Freunden in Israel begrüßt - es war schön, sie nach unserer gemeinsamen Zeit in Deutschland hier nun wieder zu sehen. In einem Kleinbus fuhren wir nach Jerusalem, unser erstes Quartier war das Gästehaus „Ben Yehuda“. Dort trafen wir Francoise Kafri von der Stadtverwaltung Jerusalem, sie leitet die Abteilung für Internationalen Austausch. Der Kontakt zu ihr besteht bereits 2 Jahre. Sie hieß uns herzlich willkommen, ging mit uns das geplante Programm für unseren Aufenthalt durch und nahm unsere Grüße und Geschenke aus Pirna in Empfang.
Am Abend waren wir bei Doron Nahari zu Gast. Er arbeitet ebenfalls in der Jerusalemer Stadtverwaltung und ist dort für die Koordination der Jugendbewegungen zuständig. Wir wurden mit vielen israelischen Delikatessen verwöhnt und feierten unser Wiedersehen mit allen Teilnehmern der israelisch-palästinensischen Delegation. Unterstützend kam hinzu, dass an diesem ersten Tag unsere Teilnehmerin Jana Geburtstag hatte. Wir hatten einen sehr schönen Ausblick auf einen Teil Jerusalems und genossen den gemeinsamen Auftakt. Shalom Jerusalem, du Perle des Orients.
Bilder des 1. Tages des deutsch-israelisch-palästinensischen Fachkräfteaustausches finden Sie hier.
Franziska Kuhne (32)
Projektkoordinatorin der Aktion Zivilcourage e.V.
Tag 2 in Israel - Nach einem schnellen Frühstück in unserer Herberge Beit Ben Yehuda, die von der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste betrieben wird, fuhren wir an den Rand der Jerusalemer Altstadt, ans Jaffator. Es ist ein eigenartiges Gefühl, vor einem schneeweißen, sehr gut erhaltenen Bauwerk zu stehen und dann von unserem Stadtführer zu erfahren, dass dieses Haus über 2000 Jahre alt ist! Die Altstadt ist unterteilt in vier Quartiere und von einer 12 m hohen Stadtmauer umgeben. Zuerst liefen wir durch das menschenleere armenische Viertel, wo es wunderschöne Innenhöfe mit üppig blühenden Rosen, Oleandern und Boungavillaen gibt und viel Platz für gemeinsame Treffen und für Kinder zum Spielen ist. Über einer Tür prangte ein dicker Schneemann, was uns bei gefühlten 40 Grad sehr erheiterte. Plötzlich standen wir vor einer römischen Hauptstraße, die vor wenigen Jahren freigelegt wurde, mit Resten von Bodenmosaiken und sehr schönen Säulen.
Als die Straßen sich immer mehr mit Frauen in langen dunklen Kleidern mit Kopftüchern und bärtigen Männern in schwarzen Anzügen mit mindestens zwei ebenso gekleideten Kindern füllten, war uns schnell klar, dass wir uns mittlerweile im jüdischen Viertel der Altstadt befanden. Bald erreichten wir die berühmte Klagemauer, streng getrennt nach Männern und Frauen. Das wurde noch besonders deutlich, da dort gerade eine Bar Mitzwa gefeiert wurde und die beteilgten Frauen nur über den Zaun zugucken konnten. Es war sehr beeindruckend, gläubige Juden im inbrünstigen Gebet zu erleben! Außerdem stecken in der Mauer jede Menge kleiner Zettel mit Wünschen und Fürbitten. Nach unserem Besuch waren es noch einige mehr. Da alle Leute von der Mauer aus rückwärts gingen, machten wir das natürlich auch. Auch das rituelle Händewaschen ließen wir nicht aus. Danach folgte das absolute Kontrastprogramm: ein muslimischer Basar. Und jede Menge Spielzeugwehre, mit denen die arabischen Jungs begeistert rumknallten.
Dann die nächste Überraschung: Hinter einer unscheinbaren Tür eröffnete sich eine Wiener Kaffeehauswelt wie im 19. Jahrhundert, mit Kaiser Franz an der Wand, Musik von Richard Strauß aus den Lautsprechern, Kaffee Melange und Apfelstrudel. Das Beste an dem österreichischen Hospiz war aber eindeutig die Dachterrasse, von der aus man die ganze Altstadt bis zum Ölberg überblicken und schöne Fotos machen konnte. Und unser Stadtführer erklärte uns ein System, wie man die unterschiedlichen Stadtviertel unterscheiden kann: Häuser mit schwarzen Wassertanks auf dem Dach und Satellitenschüsseln, die nach SO zeigen, gehören Moslems. Zeigen die Satellitenschüsseln nach NO, wohnen dort Armenier. Ist dazwischen ein Haus mit roten Dachziegeln, israelischen Flaggen, weißen Wassertanks und Sonnenkollektoren, so wohnt dort ein Jude. Den Abschluss unseres Stadtrundgangs war die Besichtigung der Grabeskirche, auf die ich sehr gespannt war. Doch dann war ich sehr enttäuscht, denn es war düster, vollgestopft und übervoll mit Touristen und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, an einem der heiligsten Orte der Welt zu sein. Nach langem Anstehen besichtigten wir die Grabkapelle, die wie eine Kirche in der Kirche gebaut ist und in der man die Grabplatte von Jesus Grab sehen kann.
Danach fuhren wir mit dem Bus zu einem Clubhaus der Jugendbewegung Hanoar Haoved Vahalomed, was auf deutsch „die Lernende und Arbeitende Jugend“ bedeutet. Das ist eine zionistisch-sozialistische Jugendbewegung, die zur Gewerkschaft Israels gehört und der Arbeiterpartei nahe steht. In dieser Organisation sind alle Ethnien vertreten, aber die einzelnen Gruppen sind meistens nicht gemischt. Das Prinzip ist immer, dass die Älteren die Jüngeren betreuen, die dann später ebenfalls Betreuer werden können. Das Klubhaus war ziemlich unaufgeräumt und nicht besonders sauber, aber den Kindern gefällt es dort bestimmt gut. Der Name des Geländes bedeutet auf deutsch „Nest“. Sie können dort malen und basteln und die Räume nach ihren Vorstellungen gestalten, und es gibt einen großen Garten zum Spielen und Klettern usw. Ziemlich bedrückend war dann der Blick von dem Gelände auf die acht Meter hohe Mauer, die israelische und palästinensische Gebiete trennt und zur Erhöhung der Sicherheit dienen soll. Das ist für jemanden aus Deutschland wirklich schwer zu verstehen, aber die für die Israelis scheint das schon Normalität zu sein.
Der lange Tag endete sehr entspannt in modernen Teil von Jerusalem, wo wir gemeinsam aßen und danach das israelische Bier probierten. Naja, es schmeckt nicht besonders gut und ist sehr teuer (7 Euro für ein großes Bier). Kein Wunder, dass die Israelis in Pirna so gern Radeberger tranken ;-)
Bilder des 2. Tages des deutsch-israelisch-palästinensischen Fachkräfteaustausches finden Sie hier.
Julius Scharnetzky (24)
B.A., Historiker, Leiter des israelisch-deutschen Fachkräfteausstausches (Aktion Zivilcourage e.V.)
Tag 3 in Israel - „Wenn ihr wollt, ist es kein Traum!“
Der angesprochene Traum ist der von Theodor Herzl, der zu Ende des 19. Jahrhunderts zum Traum vieler Juden in der ganze Welt wurde - der Traum eines eigenständigen Staates Israel im Lande ihrer Väter. Aber wer war eigentlich Theodor Herzl? In Israel weiß das so ziemlich jedes Kind – bei uns Deutschen stellte es sich dies ganz anders dar. Doch am Ende des Vormittags sollte sich unsere Wissenslücke durch den Besuch des Herzl-Museums in Jerusalem geschlossen haben. Eine audio-visuelle Ausstellung führte uns durch das Leben des Begründers des zionistischen Gedankens. Eine Ausstellung, der es an Filmen, beleuchteten Puppen und nachgebildeten Räumen nicht fehlte – aber für meinen Geschmack einfach zu viel des Guten aufbot. Besonders dem Abschlussfilm fehlte es nicht an Emotionen – diese scheinen, eines der landestypischen Produkte zu sein.
Vom Herzl-Mountain führte uns ein Weg nach Yad Vashem, der größten Gedenkstätte des Staates Israel für die Opfer der Shoah. Bevor wir allerdings von Emmanuelle Blanc durch die Ausstellung geführt wurden, hatten wir dir Ehre, Chana Pick zu treffen – eine Überlebende der Shoah und die beste Freundin von Anne Frank. Für mich war dies besonders beeindruckend, da ich Frau Pick bisher nur aus den Dokumentationen im Anne-Frank-Haus in Amsterdam kannte und nun saß sie vor uns – braunes gelocktes Haar, das von einem Hut bedeckt war und für ihr Alter immer noch sehr rüstig. Sie erzählte von sich und ihrer Familie und natürlich von Anne Frank.
Nachdem Gespräch galt unsere Aufmerksamkeit dann schließlich der Ausstellung, die vollgestopft von Dokumenten ist. Ich hatte zwar gehofft, dass wir mehr über die Gedenkkultur in Israel erfahren, doch war es eher eine Stunde in deutscher Geschichte, aber sei es drum. Wie unterschiedlich das Erinnern in Yad Vashem ist, ließ sich erst auf dem Gelände mit seinen scheinbar unendlichen Monumenten erahnen. Neben einem originalem Viehwaggon, mit dem die Opfer der Shoah nach Auschwitz deportiert wurden, steht ein Bus des roten Kreuzes, etwas weiter befindet die Höhle des Erinnerns und wenn man der Allee der Gerechten unter den Nationen folgt, kommt man zum Tal der Gemeinden. Somit wird jedem Möglichkeit gegeben, die Art des Erinnerns zu wählen, die ihm am passendsten erscheint. Dank Jonathan kam ich also doch noch auf meine Kosten, zumindest partiell.
Ein weltweit auftretendes Symptom scheint zu sein, dass man egal wo man auf der Welt ist, der Besuch in einer Gedenkstätte ist zeitlich stets zu gering bemessen. Um der Einladung der Stadtverwaltung von Jerusalem nachzukommen, brachen wir also am Nachmittag in Richtung Innenstadt auf und trafen uns mit Hilil Bar, Francoise Cafri und Merav Levy. Der Empfang, der uns bereitet wurde, war sehr herzlich und die anschließende Diskussion äußerst ergiebig. Nebenbei wurde über die horrenden Immobilienpreise in Jerusalem geklagt.
Bevor es dann zum Abendessen ging, netterweise hatte Ruweidas Mutter für uns gekocht, diskutierten wir noch über die Erinnerungskultur unserer beiden Länder und über das Erlebte des Tages. So unterschiedlich unsere Länder auch sein mögen und so unterschiedlich auch die Blickpunkte auf die Shoah sind, die Ansätze im Bereich der Erinnerungskultur sind allerdings doch sehr ähnlich.
Bilder des 3. Tages des deutsch-israelisch-palästinensischen Fachkräfteaustausches finden Sie hier.
Sissi Friedrich (18)
Abiturientin und Mitglied im Vorstand der Aktion Zivilcourage e.V.
Tag 4 in Israel - Montag, 19.Juli 2010, 4.Tag beim deutsch-israelischen Fachkräfteaustausch. Am Morgen starteten wir um 8 Uhr mit dem Bus der Stadtverwaltung Jerusalems und hielten erstmals auf dem Ölberg. Von dort aus sahen wir den Tempelberg, Altstadt mit Kuppeln, Minaretten und Kirchtürmen sowie die Hochhäuser von Westjerusalem. Wir genossen die wunderschöne weitreichende Aussicht über ganz Jerusalem. Unser Stadtführer zeigte uns von da aus nochmal die zentralen Punkte von Jerusalem, die wir schon am Samstag besichtigt hatten. Unterhalb vom Ölberg liegt der große jüdische Friedhof. Aus der Vogelperspektive das vergangene Leben, aus der Normalperspektive das gegenwärtige Leben, um somit die Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft zu schaffen.
Unser nächster Halt war Qumeran. Diese antike Siedlung ist für ihre über 2000 Jahre alten Pergamentschriftrollen mit den ältesten Bibeltexten, die 1947 in den Höhen von Qumeran an der Küste des Toten Meeres gefunden worden sind, bekannt. Trotz ihres hohen Alters waren die Bibeltexte sehr gut erhalten. Alle hebräischen Buchstaben waren gut erkennbar und für diejenigen, die es konnten, auch lesbar. Die Schriftzeichen hatten sich also über so lange Zeit nicht verändert.
Anschließend ging es auf die Festung von Massada, die 37 v. Chr. zu immenser Größe ausgebaut wurde. Wir fuhren mit der Seilbahn hinauf und konnten wieder eine wunderbare Aussicht genießen. Die hohen Temperaturen waren jedem von uns ins Gesicht geschrieben. Begleitet wurden wir auf der Festung von Waldmäusen und Vögeln, die alles andere als menschenscheu waren. Im Anschluss konnten wir sehr anschaulich sehen, wie früher mithilfe von Zisternen das Wasser aufgefangen wurde.
Als wir einmal beim Thema Wasser waren, ließen wir es uns nicht nehmen mit Zeitung in der Hand im Toten Meer treiben zu lassen. Natürlich gab es für alle eine Schlamm-Kur dazu. Das Tote Meer hat einen Salzgehalt von bis zu 33%, aufgrund der starken Verdunstung. Dies ließ einige von uns kleine Wunden deutlich spüren. Doch damit war unser Tagesprogramm noch nicht beendet. Es ging zum Kibbutz Almog, wo eine israelische Teilnehmerin wohnt. Nach einem kurzen Rundgang erfuhren wir, dass die Menschen hier arbeiten und wohnen. Sie geben ihren Lohn in die Kibbutz-Kasse, bekommen ein kleines Taschengeld und werden dafür mit Nahrungsmitteln, Wohnraum, Computer usw. versorgt. Jeder arbeitet für alle. Auch wir konnten das Zusammengehörigkeitsgefühl der im Kibbutz lebenden Menschen beim Abendbrot miterleben. Für uns war das Gefühl im Speiseraum wie in einer Jugendherberge. Danach fuhren wir in unser Hostel. Wir genossen zusammen den Abend bis wir einmal vom Nachbarn und zweimal vom Feueralarm unterbrochen wurden. Zum Glück war es nur Fehlalarm.
Bilder des 4. Tages des deutsch-israelisch-palästinensischen Fachkräfteaustausches finden Sie hier.
Anne Grätz (19)
Abiturientin und Mitglied der Aktion Zivilcourage e.V.
Tag 5 in Israel - Nach einer mehr oder weniger langen Nacht, die zweimal durch Fehlalarm des Feuermelders unterbrochen wurde, machten wir uns früh auf den Weg nach Tel Aviv. Der Tag stand unter dem Thema Zionismus und war somit eine Ergänzung zum Besuch des Herzl-Museums am Sonntag. Ein Mitglied der „Hanoar Haoved Vahalomed“ Organisation führte uns durch Jaffa und Tel Aviv. Wir hielten an einzelnen zentralen Punkten und lasen gemeinsam Auszüge aus Herzls Werken und diskutieren darüber. Der Name „Tel Aviv“ heißt übersetzt „Alt-Neu“ und ist eine Anlehnung an Herzls Werk „Altneuland“, in dem er seine Vorstellung über den Judenstaat näher erläutert. Wir bekamen durch die Tour einen ersten Eindruck der Stadt, die sich so sehr von Jerusalem unterscheidet.
Wir redeten über Herzls Eindrücke, als er zum ersten Mal nach Tel Aviv kam, die Auslöser für seine Idee zur Gründung eines Judenstaates und seine Vorstellungen über das dortige Zusammenleben. Der Vormittag trug sehr dazu bei, die Ideen Herzls zu verstehen. Uns wurde jedoch auch bewusst, wir sehr Israel noch von dem Traum Herzls entfernt ist und dass noch viel Arbeit nötig ist, um eine Atmosphäre der Toleranz zu schaffen, von der Herzl in seinen Werken spricht. Nach der Stadttour gab es landestypisch Falafel und dann ging es weiter zum Kibbuzim Hill und dem Ayalon Institute. Dort erwartete uns schon unser Guide, der schon am Sonntag die Diskussion über Erinnerungskultur geleitet hatte.
Das faszinierende Museum in diesem Kibbuz zeigt die Geschichte einer geheimen Munitionsfabrik, die sich unter dem Hügel befindet. Früher wurde dieses Kibbuz benutzt, um Einwanderer für das Leben in einer solchen Gemeinschaft zu trainieren. 1946 baute die Haganah, die größte jüdische Untergrundbewegung, eine Waffenfabrik unter dem Kibbuz. Das alles war natürlich streng geheim, da das Gebiet zu dieser Zeit unter britischem Mandat stand. Die Fabrik wurde in weniger als einem Monat 8 Meter unter der Oberfläche erbaut. Über den zwei Eingängen wurden zwei Gebäude errichtet, zum einen die Wäscherei und zum anderen eine Bäckerei. Der Vorteil war, dass die beiden Gebäude die Abgase und den Lärm der Munitionsfabrik verdeckten. Da wegen der großen Produktionsmenge (2.500.000 Stück in 2 Jahren!) die Bäckerei und die Wäscherei stundenlang laufen mussten, wurde das überschüssige Brot an die Briten verkauft und auch die Wäsche der Soldaten gewaschen. So trugen die Briten, ohne es zu Wissen, zum Erhalt und der Geheimhaltung der Fabrik bei. Ebenso wurde der Strom von einem britischen Camp in der Nähe abgezweigt, weshalb man in der Fabrik eine Danksagung an die Briten an der Wand findet.
Im Kibbuz selbst war auch nur die Hälfte der Bewohner eingeweiht. Die Fabrikarbeiter behaupteten, dass sie auf benachbarten Feldern arbeiteten. Um den Schwindel nicht auffliegen zu lassen, mussten sie sich nach der Arbeit mit Dreck einreiben und natürlich das Maschinenöl von den Händen waschen. Am faszinierendsten war aber das kleine Solarium, das sich in der Fabrik befand. So war die Tarnung perfekt und es konnte über 2 Jahre lang produziert werden.
Der Ausflug zählte für mich mit zu einem der Highlights, da die ganze Anlage sehr beeindruckend war. Anschließend besichtigten wir noch das Kibbuz, in dem unter anderem auch unser Guide wohnte und kamen mit ihm noch ein bisschen ins Gespräch. Der ganze Ausflug war sehr spannend und wir lernten viel Neues über das Leben und den Alltag im Kibbuz kennen.
Am Abend kehrten wir uns Hostel nach Tel Aviv zurück. Da wir nicht weit vom Meer wohnten, nutzten wir natürlich die Zeit, um ausgiebig in den Wellen zu baden. Anschließend bummelten wir noch durch die Stadt und erkundeten das Nachtleben von Tel Aviv.
Bilder des 5. Tages des deutsch-israelisch-palästinensischen Fachkräfteaustausches finden Sie hier.
Jana Seidel (24)
Arbeitsvermittlerin für Jugendliche unter 25 Jahren und Mitglied der Aktion Zivilcourage e.V.
Tag 6 in Israel - Für die meisten begann der Tag nicht so erfreulich. Nur Franzi und Anne nutzen die morgendliche Stille für ein Bad im Mittelmeer. Aber auch sie kamen in den Genuss eines „small continental breakfasts“, bestehend aus Weißbrotscheiben und Marmelade. Dazu gab es nicht wirklich genießbaren Kaffee. Das Frühstück wurde also auf der Fahrt durch Galiläa zum Sommerlager der Jugendbewegung "Hashomer Hatzair" nachgeholt. Vielleicht war das auch gut so, da wir erst sehr spät zum Mittagessen kamen. Vorher stand nämlich eine Raftingtour mit großen Reifen auf einem Zufluss zum Jordan auf dem Plan. Dass dabei niemand trocken blieb, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Und wie man diese Reifen am besten durch das Wasser steuerte, lernten wir erst nach mehreren Touren ins Gestrüpp und einige Verletzungen später. Ich hatte sehr viel Spaß, da es eine Abwechslung zum bisherigen Programm darstellte und das Bad im Fluss in der Wärme sehr erfrischend war. Ich hatte sogar das Aussteigen vor einem etwas größeren Wasserfall verpasst, allerdings kam ich kurz vorher noch sicher ans Ufer.
Im Anschluss gab es im Wald im Summercamp von "Hashomer Hatzair" ein Picknick mit Brot, Käse, Wurst und verschiedenen Aufstrichen, Obst, Gemüse und Süßes. Gekocht wird im Camp erst abends. Es folgte eine kurze Führung durch das Camp. Einige Leader leben seit eineinhalb Monaten dort und bauen alles auf. Es ist wirklich erstaunlich, was mit Holz hergestellt werden kann. Besonders die Schlafplätze, eine fand ich beeindruckend, allerdings äußerst gewöhnungsbedürftig. Außerdem gab es eine Küche mit Essbereich, eine Art Wohnzimmer, ein Lebensmittellager und Duschen. Die Toiletten standen etwas abseits. Bis auf uns befand sich niemand im Wald. Ron nannte es „the silence before the storm“, da ab dem nächsten Tag mehrere hundert Jugendliche für einen Zeitraum von 9 Tagen zu Leadern ausgebildet werden.
Um noch ein wenig Campluft zu schnuppern, gingen Ron, Carmel und einige Campleader mit uns durch den Wald zu einem selbstgebauten Kletterwald. Obwohl die Sicherheitseinweisung, der Aufbau des Kletterwaldes und die Ausstattung sehr professionell wirkten, wurde es einigen doch etwas mulmig. Den Parquour schafften letztendlich alle. Ich selbst konnte aber leider wegen unpassender Kleidung nicht mitmachen.
Als alle wieder wohlbehalten am Boden waren, liefen wir wieder zum Lager zurück und fuhren zu unserer dritten Herberge in Pequi’in. Unterwegs verabschiedeten wir Ron und Carmel. Wir sehen sie am Samstag Abschlussabend wieder.
Ich fragte mich bereits so manches Mal, wie die Taxifahrer sich wirklich überall ohne Navigationsgerät oder traditionell Straßenkarte zurecht finden. Die Antwort folgte auf dem Fuß: gar nicht. Es erfolgte daher zuerst eine unfreiwillige Stadtrundfahrt.
In der Herberge gab es erst mal Abendbrot – wir waren sowieso zu spät dran. Das Abendessen ließ aber schon auf ein um Längen besseres Frühstück erahnen. Allerdings ist dies auch keine Kunst! Da wir am Tag noch nicht genug Action hatten, wollten wir noch einmal die Stadt erkunden. Die Frage war nur, ob es etwas zu erkunden gab! Glücklicherweise begleitete uns eine Einheimische, welche im Guest House arbeitet, mit uns. Sie führte uns zuerst zu einem Laden/ Restaurant, wie ich es noch nie gesehen hatte. Der Vorraum war voll von orientalischen Ohrringen, Ketten, Glasbehältern und Kerzen. Dem schloss sich ein großer langer Raum an. Es sah auf wie auf einem Basar, keine Fenster, überall Bilder und Tücher und viele Menschen, welche gerade aßen. Es roch auch sehr orientalisch, allerdings nicht sonderlich gut.
Letztendlich landeten wir bei Verwandten unserer Begleiterin und wir wurden sehr freundlich aufgenommen.
Da der Tag doch recht anstrengend war, liefen wir bald wieder zum Guest House zurück, verschwanden in unsere Zimmer und gingen ins Bett.
Bis Sissi und Ruwaida unser Zimmer stürmten, um Nicole zu gratulieren. Happy Birthday, Nicole!
Bilder des 6. Tages des deutsch-israelisch-palästinensischen Fachkräfteaustausches finden Sie hier.
Marlen Hentschel (30)
Lehrerin der Ev. Grundschule Pirna und Leiterin eines Kinder- und Jugendchores der Kath. Kirchgemeinde Pirna
Tag 7 in Israel - Donnerstag, 22. Juli 2010, 7.Tag beim deutsch-israelischen Fachkräfteaustausch. Morgens fuhren wir vom Gästehaus Peki´in nach Nazareth. Wir besuchten einen Kinder- und Jugendclub, der zur Jugendbewegung Hanoar Haoved Vehalomed gehört, welche u.a. die Kommunikation zwischen den Kulturen zum Ziel hat. Unsere Gruppe wurde in einen netten Hof geführt, wo wir von singenden und tanzenden Kindern und Jugendlichen empfangen wurden. Diese probten gerade für ein Abschlussfest ihres 15-tägigen Ferienprogrammes, welches sie im Club verbrachten. Wir beobachteten das bunte Treiben eine kleine Weile und kamen schließlich mit den Jugendleitern ins Gespräch. Dabei erfuhren wir, dass der Club zweimal pro Woche Kinder und Jugendliche für verschiedene Aktivitäten nachmittags nach der Schule einlädt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Integration von muslimischen und christlichen Kindern und Jugendlichen. Der Club organisiert außerdem verschiedene Ausflüge in Erlebnisparks, zum Bauernhof, in den Zoo sowie Rad- , Wander- und Ski-Touren (Ja, auch das gibt´s in den Bergen in Israel!). Im Sommer werden Ferienfreizeiten angeboten, d.h. christliche und muslimische Kinder kommen morgens in den Club, erleben gemeinsam verschiedene Aktivitäten, gehen nachmittags nach Hause und kommen am nächsten Tag wieder.
Nach dem Besuch des Clubs besichtigten wir die Verkündigungskirche in Nazareth. Wir betraten einen imposanten Bau und gleichzeitig den Ort, an dem der Bibel zufolge Maria vom Erzengel Gabriel die Geburt Jesu verkündigt wurde. Die Kirche wurde von einem italienischen Architekten namens Giovanni Muzio entworfen und 1969 geweiht. Sie stellt den größten modernen Kirchenbau in Israel dar. 100m weiter erwartete uns die Josephskirche. Im unteren Teil dieses Sakralbaus sahen wir Reste einer Zisterne und einige Vorratsgruben, die wohl zu dem Dorf aus der Zeit Jesu gehörten. Nachdem wir in Nazareth Mittag gegessen hatten, ging´s mit dem Bus weiter zum Kibbuz Eshbal.
In den Ortschaften rings um den Kibbuz Eshbal leben 80% Araber und 20% Israelis. Der Kibbuz Eshbal organisiert für beide Gruppen Möglichkeiten der friedlichen Begegnung in Sommer-Camps. Darüber hinaus gibt es ein Internat, in dem 15 – 18 jährige äthiopische Einwanderer leben und lernen. In der vom Kibbuz getragenen Schule lernen diese Jugendlichen, die zumeist einen kriminellen Hintergrund haben, u.a. lesen und schreiben. Viele von ihnen leben auf der Straße und konsumieren Alkohol und Drogen. Es war sehr ergreifend, als die Kibbuz-Bewohner von ihrer Arbeit mit den Jugendlichen und ihren Wünschen und Zielen für die israelische Gesellschaft sprachen. Wir konnten die Liebe der Kibbuz-Mitglieder spüren, mit der sie den Jugendlichen gegenüber treten. Intensive Gespräche und die Anteilnahme an den Gedanken der Schüler sollen ihnen helfen, sich in der israelischen Gesellschaft zu integrieren. Ziel ist es dabei, Vorurteile gegenüber anderen Kulturen zu überwinden und so den Grundstein zu legen für ein zukünftig friedliches Zusammenleben von mehreren Kulturen. Wir erfuhren weiterhin, dass die Kibbuz-Mitglieder mit verschiedenen Jugendbewegungen zusammenarbeiten und versuchen, die arabisch sprechenden Beduinen zu integrieren, indem sie z.B. die hebräische Sprache lehren.
Nach dem Besuch im Kibbuz Eshbal fuhren wir zum Kibbuz Ravid. Im Kibbuz Ravid liegt der Schwerpunkt auf der Werteerziehung von Jugendlichen. Wir wurden durch ein wunderschönes Außengelände hoch oben auf einem Berg geführt, wo ein „erfrischender“ Wind wehte. Danach besichtigten wir die für uns interessanten Gebäude des Kibbuz: Seminarräume für Konferenzen zum Thema Völkerverständigung und Frieden sowie soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft und die Bibliothek. Nach dem gemeinsamen Abendessen diskutierten wir mit Hadar, die selbst in einem Kibbuz lebt, über das Leben in einem Kibbuz. Wir sprachen über die Beweggründe, in einem Kibbuz leben zu wollen, die Vor- und Nachteile des gemeinsamen Lebens und Arbeitens sowie die Finanzen, welche in die Gemeinschaftskasse kommen. Es entwickelte sich ein reger, zum Teil philosophischer, Austausch. Auch wenn es für viele von uns kaum vorstellbar ist, in solch einem System zu leben, so bewunderten wir an diesem Tag die Zufriedenheit und von Herzen kommende Arbeit der Kibbuz-Mitglieder.
Bilder des 7. Tages des deutsch-israelisch-palästinensischen Fachkräfteaustausches finden Sie hier.
Thomas Gockel (32)
Koordinator gegen Extremismus der Stadt Pirna
Tag 8 in Israel - Neben Seminaren und Weiterbildungen bestimmen ein Betonwerk und eine riesige Mango-Plantage den Lebensalltag im Kibbuz Ravid. In Letzterer durften wir an diesem Tag intensiv mitarbeiten und damit einen kleinen Teil vom Kibbuz-Alltag leibhaftig erfahren. Um 5:30 in der Frühe startete also unser Tag mit einem kurzen Transfer zu den Mangobäumen. Verschlafen lauschten wir den einführenden Worten eines Kibbuzniks, der uns in die Geheimnisse und Techniken des Mangopflückens einweihte. In verschiedenen Gruppen unterstützten wir anschließend die hochmotivierten Teams des Kibbuz. Bei jedem gefüllten Container jubelten die Teams. Zwischen all dem Pflücken, Klettern, Wassertrinken gab es genügend Zeit fürs Kennenlernen, für Gespräche und sogar fürs Probieren. Nach zwei Stunden gab es dann unterm dichten Laub der Bäume das wohlverdiente Frühstück. Die Dusche im Quartier spülte anschließend den milchig, klebrigen Saft mitsamt dem Staub von unserer Haut. Frischgeduscht ging es nun Richtung See Genezareth.
Auf dem Weg dorthin besuchten wir Deganya, den 1909 von russischen Auswanderern gegründeten, ältesten Kibbuz des Landes. Das nach Aharon D. Gordon, einem Mitbegründer des Kibbuz, benannte Freilichtmuseum zeigt die Geschichte des ehemaligen Schulungscamps für Landwirtschaft, in dem die Einwanderer der ersten und zweiten Welle das Handwerkszeug fürs Leben erlernten.
Nach einem kurzen wohlverdienten Zwischenstopp mit einem erfrischenden Bad im See Genezareth brachte uns der Minibus schließlich ins Sommercamp der Scouts. Inmitten des Gewusels von über tausend Kindern, die als Helfer das Lager für weitere zweitausend Kinder vorbereiteten, empfing uns Jonathan mit einem Lächeln und hieß uns herzlich Willkommen im Chaos. Es war eindrucksvoll zu beobachten, wie zahlreiche motivierte Hände an den verschiedensten Stellen des Camps imposante Klettergerüste unter den verschiedensten Themen errichteten.
Am Abend wurde feierlich der Sabbat begrüßt. Sauber und herausgeputzt fanden sich die Jugendlichen unter freien Himmel zur Sabbatfeier ein. Mit Gesängen und Gebeten wurde der heiligste Tag der Woche begrüßt und gefeiert. Nach dem Abendbrot kamen wir mit mehreren Jugendlichen ins Gespräch, die uns stolz ihre deutschen Vokabeln präsentierten, sich mit uns über den Grand-Prix-Sieger Lena freuten und begeistert unsere Pirna-Anstecker aus der Hand rissen. Mit leuchtenden Augen erzählten sie über die verschiedenen Camps, die sie schon miterleben durften und wie sie sich nach einer Woche auf die reinigende Dusche zuhause freuten. Zahlreiche Gespräche mit den Jugendlichen eröffneten uns immer mehr die Welt der Pfadfinderbewegung und die Motivation, eine bessere Gesellschaft zu erreichen und zu gestalten. Die Nacht verbrachten wir auf Feldbetten unter freiem Himmel. Damit waren wir schon fast sowas wie VIPs. Sämtliche anderen Jugendlichen schliefen mit ihren Iso-Matten und Schlafsäcken auf dem staubigen Boden.
Bilder des 8. Tages des deutsch-israelisch-palästinensischen Fachkräfteaustausches finden Sie hier.
Franco Topp (26)
angehender Lehramtsreferendar für die Fächer Geschichte, Ethik/Philosophie an Gymnasien und Freier Mitarbeiter der Gedenkstätte Pirna Sonnenstein
Tag 9 in Israel - Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei ...
Auch wenn die Überschrift vielleicht etwas plump erscheinen mag, so bringt sie dennoch die nun folgenden Ausführungen inhaltlich auf den Punkt- die Eindrücke, Emotionen und Erlebnisse des letzten Tages im Heiligen Land.
Auch an diesem Tag ist es der israelischen Delegation gelungen, das Programm vielseitig, abwechslungsreich und sehr interessant zu gestalten. Nach einer Nacht der etwas anderen Art- geschlafen wurde unter freiem Himmel in Feldbetten bzw. auf dem Boden, umgeben von gefühlten 10 000 Jugendlichen- wurden wir durch die Strahlen der aufgehenden Sonne sanft aber einige Stunden zu früh geweckt. Nach der Zelebrierung der individuell sich stark unterscheidenden Morgenrituale ging es zum Frühstück, welches sich wiedererwarten als recht passabel erweisen sollte- unter anderem gab es French Toast mit verschiedenen Käsesorten. Gestärkt für den Tag und zu Größerem bereit sollten wir nun die Möglichkeit bekommen an für Scoutcamps typischen „activities“ teilzunehmen. Zunächst wurde, wie sollte es anders sein, zur Einstimmung ein Kreis gebildet und ein Warm-up-Spiel durchgeführt, wodurch das Eis zwischen deutschen und israelischen Teilnehmern gebrochen werden sollte. Danach wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt, die anschließend im direkten Vergleich jeweils eine Geschicklichkeitsaufgabe lösen sollten, was nur durch konsequente Teamarbeit möglich war. Auch wenn meine Gruppe letztendlich kläglich scheitern sollte, war dies eine der wenigen Situationen, in denen wir nachvollziehen konnten, auf welche Art und Weise versucht wird Werte zu vermitteln und den Menschen und letztendlich auch die Gesellschaft besser zu machen, was ja ein elementares Ziel aller israelischen Jugendbewegungen ist.
Am frühen Vormittag holten uns dann Moran und Chen ab und wir mussten das erste Mal leise Servus sagen. Jonathan und Saray sollten wir vorerst das letzte Mal gesehen haben, und diese Vorstellung war zugegebener Maßen etwas beängstigend und auch schmerzhaft. An dieser Stelle von engen Freundschaften zu sprechen wäre vielleicht ein bisschen zu vermessen, aber auf alle Fälle verließen wir zwei wunderbare Menschen und mindestens zwei sehr, sehr, sehr gute Bekannte.
Anyway, the show must go on. Wir fuhren nun in das Nahal Me’Arot National Reserve, das sich durch diverse Höhlen und eine vielseitige mediterrane Flora und Fauna auszeichnet. Nach einem ca. einstündigen Rundgang und ein paar sehr schönen Ausblicken Richtung Mittelmeer ging es dann weiter Richtung Haifa. Dort angekommen besuchten wir die Persischen Gärten, die das Weltzentrum der Glaubensgemeinschaft der Bahai bilden. Die Führung durch die terrassenförmig angelegten Gärten wurde zumindest von mir eher passiv verfolgt, da die Besucherbetreuerin anscheinend mehr Probleme mit der Hitze hatte als ich und sie in meinen Augen zu viel „geyalat“ hat, so dass ich mich mehr der Schönheit der Gärten hingab, als den Worten der Besucherbetreuerin.
Im Anschluss daran suchten wir uns ein Lokal zur mittäglichen Speisung. Nach einem Teller voller Fleisch und der Erkenntnis, das Chicken kein Fleisch ist (Ruweidische Logik) sollte der nächste und auch letzte Stopp dieser erlebnisreichen Reise Tel Aviv sein. Hier standen uns dann ein paar Stunden Freizeit zur Verfügung. Bevor wir uns vergebens auf die Suche nach Souvenirs machten, wurden erst einmal gemeinsam mit tausenden anderen Menschen die Wellen des Mittelmeeres gebändigt. Am Abend kamen dann noch Francoise, Doron, Carmel und Ron und wir führten eine Feedback-Runde durch. Resümierend lässt sich ein durchgängig positives Fazit festhalten und ich glaube alle Teilnehmer, sowohl auf israelischer Seite, als auch auf deutscher Seite sind an einer Fortsetzung dieses Austauschprogramms interessiert. Der Verlauf des verbleibenden abends verselbstständigte sich dann, die einen schliefen, die anderen schwitzten, wiederum andere führten angeregte Unterhaltungen und der Zeitpunkt der Abreise kam unaufhaltsam näher.
Gegen Mitternacht verabschiedeten wir Chen, Carmel und Ron schweren Herzens und uns beschleichte das gleiche beklemmende Gefühl wie schon am Morgen. Um 2.00 Uhr sollte dann auch unsere ständige Begleiterin und irgendwie auch unser Maskottchen Wendy alias Ruweida zum Teil unter Tränen verabschiedet werden. Ein letzter Handschlag mit Doron, eine letzte Umarmung mit Moran und die Rückreise mit dem finalen Ziel Good Old Germany sollte beginnen.
Bilder des 9. Tages des deutsch-israelisch-palästinensischen Fachkräfteaustausches finden Sie hier.
Tom Waurig (20)
Student der Politikwissenschaft / Kommunikationswissenschaft und Mitglied im Vorstand der Aktion Zivilcourage e.V.
Tag 10 in Israel - Nach der sehr emotionalen Verabschiedung von unseren im Hostel verbliebenen israelischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern machten wir uns um 2:00 Uhr in der früh auf in Richtung Flughafen „Ben Gurion“ in Tel Aviv. Zum zweiten Mal unterzogen wir uns den strengen Sicherheitskontrollen und beantworteten Fragen was wir in Israel gemacht haben, wo wir übernachtet haben und ob unser Gepäck die letzten 24h unter unserer eigenen Aufsicht stand. Alle haben die Kontrolle bewältigt und eingecheckt, schon stand allen die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben. Die letzte schlaflose Nacht auf dem Dach des „Hayarkon 48 Guest House“ bestätigte auch einmal mehr das Sprichwort „Die Welt ist ein Dorf“, da wir in den letzten Stunden unseres Aufenthaltes in Israel noch einige junge Leute aus Leipzig und ein mir bekanntes Gesicht des NDC trafen.
Die letzten Stunden auf israelischen Boden nutzen dann alle Mitgliederinnen und Mitglieder der deutschen Delegation für ein wenig Entspannung und auch für die Rekapitulation der letzten sehr erlebnisreichen und eindrucksvollen 10 Tage. „Last Call“ war schon an dem Monitor im Flughafenterminal zu lesen aber von einem Bus der uns zum Flugzeug bringt war keine Spur. Dann doch endlich im Bus angekommen absolvierten wir noch eine kleine Rundfahrt auf dem Flughafengelände und wurden anfangs noch am falschen Flugzeug zum aussteigen animiert. Mit 15 Minuten Verspätung schafften wir es dann noch rechtzeitig zum Flieger mit der richtigen Aufschrift „EL AL“, in wir allerdings mit ein wenig Wehmut stiegen. Und auch das Motto war wieder zu hören und bekräftigte uns noch einmal, dass es der richtige Flieger ist in dem wir sitzen „ … nicht nur eine Fluggesellschaft, EL AL ist Israel“.
Als das Flugzeug zur Startbahn rollte und wir anschließend 3:45 Stunden in der Luft waren, ging der Blick zurück …
Das Programm welches die Stadtverwaltung Jerusalem für uns zusammengestellt hat beinhaltete sowohl die touristischen Höhepunkte, vor allem die Altstadt von Jerusalem, aber auch der Besuch in Massada, Qumran, Tel Aviv, Haifa und Atlit. So konnten wir einen ersten Eindruck der Vielfalt erlangen und ein besseres Verständnis für das Land bekommen. Darüberhinaus waren die außergewöhnlichen Unternehmungen die Highlights. Der Besuch des Scouts-Camp mit über 1000 Jugendlichen, das Sommercamp der Jugendbewegung „Hashomer Hatzair“ bei dem wir mit einem Reifen ausgestattet eine Raftingtour auf dem Jordan machten und anschließend in einem von den Guides selbstgebauten Klettergarten unser Können unter Beweis stellen konnten. Und selbstverständlich auch das Mango pflücken um 6:00 Uhr morgens im Kibbuz Ravid.
Die Besuche der einzelnen Kibbuzime war zu dem jedesmal aufs Neue ein bemerkenswertes Erlebnis für sich. Der sozialistische „Way of Life“ warf jedesmal zugleich viele Fragen, als auch viel Verwunderung und Erstaunen bei unserer Delegation auf. Der große ehrenamtliche Einsatz für die gute Sache und das gemeinsame Ziel einer besseren und gerechteren Gesellschaft war bemerkenswert.
Das eindrucksvollste Erlebnis war der Besuch des „Museums zur Geschichte des Holocaust“ in Yad Vashem. Die Geschichte aus Deutschland und Europa wurde mit einer Vielzahl an originalen Artefakten nach Israel gebracht um den Menschen die Möglichkeit der Auseinandersetzung zu geben und ein Stück zur Weiterbildung beizutragen. Auch wenn uns die deutsche Geschichte wohl bekannt ist, zumindest sollte das der Fall sein, war es ein eindrucksvoller Besuch der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Wieder in Deutschland angekommen, wird es uns ein großes Anliegen sein einen regelmäßigen deutsch-israelischen Jugendaustausch entstehen zu lassen um Toleranz und Verständnis für andere Kulturen zu stärken - und um in diesem Zusammenhang mit einem Zitat von Theodor Herzl, dem Begründer der modernen zionistischen Bewegung, der uns alle 10 Tage über mehr oder weniger stark begleitete, zu enden: „Wenn du etwas wirklich erreichen willst, dann ist es kein Traum.“
Bilder des deutsch-israelisch-palästinensischen Fachkräfteaustausches finden Sie hier.
Alle Informationen zum deutsch-israelischen Fachkräfteaustausch finden Sie hier.
Quelle: Aktion Zivilcourage e.V.



























































































































