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Pirnas Partnerstadt aus Longuyon (Frankreich)
Umgang und Auseinandersetzung mit rechtsextremen (Stammtisch-)Parolen
Oft hilft die Vernunft im Umgang mit Parolen nicht mehr weiter ... doch es gibt Kniffe und nützliche Hinweis, um das Nachdenken ein wenig anzuregen.
Das Fest ist schön, die Stimmung gelöst, die Gespräche angeregt ... und plötzlich erzählt der Mensch neben Ihnen: "Ist doch schrecklich mit der Arbeitslosigkeit, heutzutage. Gut ausgebildete junge Deutsche sitzen zu Hause und finden keinen Job, und die Ausländer/innen nehmen Ihnen die Arbeitsplätze weg." Die anderen am Tisch starren schweigend auf ihre Getränke. Und was können Sie jetzt tun?
a) Konzepte und Ansprechpartner in der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Parolen:
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Subversive Verunsicherungspädagogik: Rechtsextrem orientierte Jugendliche stellen Pädagoginnen und Pädagogen in der Praxis immer wieder vor schwierige Situationen. Hier schafft die "Subversive Verunsicherungspädagogik" Abhilfe. Neben Diskriminierung, Provokation, Einschüchterung und Gewaltbereitschaft bereiten vor allem die häufig erlebte argumentative Ohnmacht gegenüber rechtsextremen Parolen, rechtsextremer Propaganda und Demagogie Probleme. Mit dieser Methode werden u.a. rechtsextreme Parolen darauf hinterfragt, ob sie bloß "nachgeplappert" sind, Widersprüche innerhalb der Ideologeme werden aufgedeckt, die persönliche Motivation wird angesprochen - alles Elemente, die bei „rechtsextremen Mitläufern“ eine Verunsicherung bewirken können, die Voraussetzung für die weitere pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist. |
Prof. Dr. Eckart Osborg
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Fakultät Wirtschaft und Soziale Arbeit
Entwicklung des Konzepts der Subversiven Verunsicherungspädagogik
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Argumentationstraining gegen Stammtischparolen: Es gehört nicht nur Mut dazu, einem Rechtsextremen zu widersprechen, wenn er z.B. seine fremdenfeindlichen Thesen von sich gibt, es gehört auch dazu zu wissen, wie man das am besten macht. Dazu braucht es nicht nur fachliche Argumentationshilfen, man sollte auch über einige gesprächstechnische Kenntnisse und Kniffe verfügen, um dem Parolendrescher Paroli zu bieten. Hufer zeigt anhand von alltäglichen Situationen und auf Grundlage von Mustergesprächen sowie unter Berücksichtigung soziologischer Untersuchungen und Studien, welche Schemata Hetztiraden von Populisten und Demagogen häufig zugrunde liegen. Ein Mittel ist, an der richtigen Stelle gezielt nachzufragen: woher stammen deine Informationen?, hast du das selbst erlebt? usw.. |
Dr. Klaus-Peter hufer
Universität Duisburg-Essen
Fachbereichsleiter für Geistes- und Sozialwissenschaften an der Kreisvolkshochschule Viersen
Verfasser zahlreicher Schriften zur politischen Jugend- und Erwachsenenbildung
b) Das können Sie tun - ein Handlungsleitfaden im Umgang mit rechtsextremen Parolen:
Einfach ignorieren?
Hat leider unangenehme Folgen: Der/die Parolenschwinger/in kann sich ausbreiten, fühlt sich durch den fehlenden Widerspruch bestärkt und als "Gewinner/in". Vielleicht macht er/sie, bestärkt durch den Erfolg, einfach weiter.
Fakten allein helfen leider selten
Müssen die Gesprächspartner/innen nicht überzeugt werden können, wenn er sieht, dass seine Argumentation faktisch falsch ist? Leider nicht. In der Regel wird er sie ignorieren oder Ihnen, wie es so schön heißt, das Wort im Mund umdrehen und den Fakt passend zu seiner Wahrnehmung umformen.
Aber: Es gibt Fakten, die funktionieren besser als andere. Die sollten Sie nutzen: Fakten, die Aha-Erlebnisse ermöglichen, Nachdenklichkeit provozieren, Irritationen auslösen. Vermittelt werden die am besten in Form persönlicher Geschichten, Anekdoten, eigener Erfahrungen.
Logik ist taktisch klug
"Woher weißt Du das denn?", "Kannst Du mir erklären, wie a) und b) zusammenpassen?" ,"Hast Du dafür mal ein konkretes Beispiel?" Nachfragen verstrickt ParolenschwingerIn oft in Widersprüche oder weist auf Absurditäten der Argumentation hin. Schön demontierend.
Nicht ablenken lassen!
Der/die Parolenschwinger/in haut Ihnen eine Stammtischweisheit nach der nächsten um die Ohren? Dann fordern Sie ihn auf, mal bei seiner ersten These zu bleiben, um darüber zu diskutieren. Besser, eine Parole zu entschärfen, als sich an vielen verschiedenen Argumentationssträngen zu verzetteln.
Willst Du das wirklich?
Konsequenzen können ein Argument sein. Denken Sie die Parole laut weiter. Wozu führt der (z.B. menschenverachtende oder demokratiefeindliche) Spruch, wenn er in Handlungen mündet? Wollen die oder der Diskussionspartner/in das wirklich? Weiterdenken hilft auch bei kurz gegriffenen Aussagen (etwa: "Wie sähe denn Dein Leben aus, wenn morgen am Tag alle sogenannten Ausländer das Land verlassen würden?").
Humor ist, wenn man trotzdem lacht
Verbissenheit tut Diskussionen niemals gut. Ein passender Witz, eine Portion Selbstironie können Wunder wirken, um das Klima zu entspannen und alle Gesprächsteilnehmer wieder für Argumente zu öffnen.
Kein Oberlehrertum!
Wie reagieren Sie, wenn Sie jemand belehren will – oder auch mit der Moralkeule kommt? Genervt, abwehrend, weniger offen für das, was gesagt wird? Eben.
Schaffen Sie sich Verbündete
Wer argumentiert schon gern allein gegen den Rest der Welt. Wenn jemand am Tisch ein wirkungsvolles Argument nennt, oder es einige gemeinsame Punkte gibt – einfach in Ihrem nächsten Gesprächsbeitrag noch einmal aufnehmen, die Gemeinsamkeit benennen. Das nimmt der Angesprochene positiv wahr, unterstützt Ihre Punkte dann wohlmöglich auch.
Sie dürfen auch mal zustimmen
Jetzt nennt das Gegenüber eine These, von der Sie finden, dass vielleicht "etwas Wahres dran" ist? Dann können Sie ruhig mal in Teilen zustimmen, Verständnis zeigen. Aber nicht nachlassen, pauschale Aussagen zu relativieren, Vielschichtigkeit aufzuzeigen und alternative Denkweisen anzuregen.
Schön still sein
Die Diskussion kocht, der Ton wird laut? Reden Sie bewusst leise und ruhig. Oft hört man Ihnen dann aufmerksamer und offener zu, als wenn Sie im Kampf um die lautstärkste Meinung mitbrüllen.
Lassen Sie den Wortführer auflaufen
Einer am Tisch quatscht die ganze Zeit. Natürlich reizt das, auf ihn zu reagieren. Ist taktisch aber nicht klug: Die Unentschiedenen und Indifferenten, die schweigend am Tisch sitzen und zuhören, sind viel interessanter! Sie können eher zum Nachdenken angeregt werden. Und wenn man Sie gezielt nach Ihrer Meinung oder Erfahrung befragt, könnten Sie sich als KooperationpartnerInnen herausstellen, die ihre Überzeugungskraft unterstützen können.
Körperlich überzeugen
Nein, nein, das ist kein Plädoyer für schlagkräftige Argumente. Vielmehr kann Körpersprache helfen, Situationen zu entschärfen. Jeder möchte gern ernst genommen werden und den Eindruck haben, dass der Gesprächspartner zuhört. Lehnen Sie sich zurück, strecken sie die Beine aus – Sie sind ganz gelassen und offen für den Anderen. Weniger zur Erweckung von Empathie geeignet: Verschränkte Arme (signalisiert Blockieren), weit über den Tisch beugen (wirkt wie "Über-den-Tisch-ziehen-wollen").
Manchmal muss man es sein lassen
Ihnen fehlen gerade die Worte? Möglicherweise sogar die nötigen Hintergrundinformationen, um gut zu argumentieren? Es ist legitim, eine Diskussion auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, zu dem man sich besser vorbereiten kann.
Quelle: Simone Rafael, "Parolen Parieren! Aber Wie?" (2007), zu finden bei der Bundeszentrale für politische Bildung.
c) Weiterführende Informationen erhalten Sie unter:
Auf der Internetseite der Friedrich-Ebert-Stiftung stehen Auszüge aus dem Buch "In Auschwitz wurde niemand vergast. 60 rechtsradikale Lügen und wie man sie wiederlegt." von Matthias Tiedemann (Verlag an der Ruhr, 1996). U.a. revisionistische Lügen wie "Hitler wusste nichts vom Holocaust", "Die deutsche Wehrmacht führte einen ehrenvollen Kampf und ist klar von den durch Partei und SS begangenen Verbrechen zu trennen.", "Die angeblichen medizinischen Versuche an Menschen in den KZs sind reine Gräuelmärchen."
Wer sich ausführlicher mit dem Thema Holocaust-Leugner auseinandersetzen möchte, kann dies auf der Internetseite "Holocaust-Referenz" tun. Sehr umfassende Auflistung der Lügen, die Holocaust-Leugner verbreiten, und die passenden Gegenargumente dazu. Ausführliche Linkliste zu weiteren Onlineangeboten, die Informationen zum Thema bieten.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Die niederländische Seite "The Mad Revisionist" (in englischer Sprache) überträgt Argumente und Argumentationsstrategien von Revisionisten auf Themengebiete, die uns bisher ganz real vorkamen. Sie beweist: Der Mond ist nur ein Propaganda-Schwindel.






























































































































