Gerade jetzt, angesichts eines Abgrunds von Fremdenhaß inmitten unserer Gesellschaft, ist es bitter nötig, sich für eine multikulturelle Demokratie, Respekt und Mitmenschlichkeit zu engagieren. Zivilcourage ist gefragt! Ich wünsche der Aktion Zivilcourage viel Erfolg.
Ralf Fücks (Vorsitzender Heinrich-Böll-Stiftung e.V.) aus Berlin
Zeitzeugengespräche zum Thema Holocaust
20.12.2011
/ Pirna / Landkreis
Weiterführendes Angebot für Schulen
Zeitzeugengespräche sind für die Schulen kostenlos und werden von der Brücke/Most- Stiftung und Aktion Zivilcourage e. V. pädagogisch und didaktisch begleitet. Diese vermitteln Kontakte zu Gedenkstätten, beraten bei vorbereitenden Projekten zur regionalen historischen Spurensuche, bringen die Zeitzeugen in die Schulen und moderieren die Gespräche. Interessierte Schulen, die sich beteiligen möchten, können sich telefonisch oder per E-Mail bei anmelden.
Dr. Michaela Vidláková
Rückblick auf Zeitzeugengespräche zum Thema Holocaust am 24. bis 25.11.2011
Die Zeitzeugen des Holocaust Pavel Stránský und Dr. Michaela Vidláková waren zu Gast an sechs Schulen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Am 25. November fand eine Abendveranstaltung mit Frau Vidláková beim Verein Familie Aktiv e. V. in Rathmannsdorf statt. Die Zeitzeugengespräche wurden von der Brücke/Most-Stiftung gemeinsam mit der Aktion Zivilcourage e. V. organisiert und durchgeführt.
"Die persönliche Begegnung mit Herrn Stránský war eindrucksvoller als alles, was ich bisher über den Holocuast gehört habe." - sagte Frau Beulig, Lehrerin an der Mittelschule Kreischa. Besonders junge Menschen waren fasziniert von der Begegnung mit unmittelbaren Zeugen des Holocaust. Für die aktive Beteiligung möchten wir uns bei folgenden Schulen bedanken: Mittelschule Kreischa, Glückauf-Gymnasium in Dippoldiswalde, Fachoberschule des Beruflichen Gymnasiums in Pirna, Berufssschule für Soziales in Pirna, Mittelschule Geising in Altenberg, Weißeritz-Gymnasium in Freital. An den Zeitzeugengesprächen vom 24. bis 25. November nahmen insgesamt ca. 250 Personen teil.
Dr. Michaela Vidláková kam als sechsjähriges Kind in das Ghetto Theresienstadt. Katastrophale hygienische Zustände, Hunger, eine unvorstellbare Enge und schwere Arbeit prägten den Alltag. Viele, besonders alte Menschen, waren diesen unmenschlichen Bedingungen nicht gewachsen. Michaela war noch jung und gesund. Sie überlebte drei Jahre voller Leid und Todesangst. Unsterblich ist die Erinnerung an jene Pädagog/innen, die alles versuchten, unter diesen schrecklichen Verhältnissen die Kinder zu unterrichten und ihnen menschliche Werte zu vermitteln. Unvergesslich ist auch das Kulturleben im Ghetto - die kulturelle Elite Europas war dort interniert. Doch das tägliche Sterben, die ständigen Transporte in die Vernichtungslager des Ostens standen auch den Kindern vor Augen. Nur sehr wenige haben überlebt. Michaela Vidláková berichtete sehr anschaulich über diese Zeit, sie hat einige Erinnerungsstücke aufbewahrt und erklärt ihre Herkunft.
Dr. Michaela Vidláková lebt in Prag. Um die Erinnerung wach zu halten, engagiert sie sich unter anderem in der "Theresienstädter Initiative", einer Vereinigung der Überlebenden des Ghettos, deren Vorstand sie angehört.
Pavel Stránský wurde am 1. Dezember 1941 mit 323 weiteren jungen Männern als sogenanntes „Aufbaukommando“ nach Theresienstadt deportiert. Sie sollten die kleine Garnisonsstadt für die Ankunft zehntausender Juden aus ganz Europa vorbereiten. Doch schon kurz darauf trafen die nächsten Transporte ein, und in der Folgezeit vegetierten dort gleichzeitig bis zu 55.000 Juden aus ganz Europa in einem Ort, der ursprünglich 3.500 Einwohner hatte. Obwohl dies erst der „Vorhof“ zur Hölle der Vernichtungslager im Osten war, drohte schon hier täglich der Tod. Nur weil sie Kontakt nach außen gesucht oder eine Zigarette geraucht hatten, wurden schon bald einige der jungen Männer hingerichtet. Aber Stránský hatte das große Leid, welches der Rassenwahn der Nazis besonders für die jüdische Bevölkerung bedeutete, schon lange zuvor in der eigenen Familie erlebt. Sein Vater hatte die zahllosen Demütigungen und Beschränkungen, den Raub des Eigentums nicht mehr ertragen und sich das Leben genommen.
Pavel Stránský war am 1. Juli 1944 im ersten Transport, in dem Häftlinge lebend Auschwitz verließen. Tausend Häftlinge, die noch einigermaßen bei Kräften waren, wurden zur Vernichtung durch Arbeit nach Schwarzheide in Sachsen transportiert. Am 18. April 1945 wollte die SS angesichts der nahen Niederlage Spuren beseitigen und schickte die letzten Überlebenden auf einen grausamen Todesmarsch, der wiederum in Theresienstadt endete. Dort erlebte Stránský die Befreiung.
Nach einem wechselvollen Berufsleben, unter anderem im Verlagswesen, berichtet Pavel Stránský heute in der ganzen Welt in Vorträgen und Begegnungen mit Jugendlichen von der Geschichte des Holocaust.
Interessierte Schulen, die sich beteiligen möchten, können sich telefonisch oder per E-Mail bei folgenden Ansprechpartnern anmelden:
Herr Werner Imhof
Brücke/Most-Stiftung
Tel.: 0351-43 31 4 225
E-Mail: werner.imhof@bruecke-most-stiftung.de oder
Natalia Krasowska
Projektkoordinatorin
Tel.: 03501 / 46 08 82
E-Mail: n.krasowska@aktion-zivilcourage.de
Quelle: Aktion Zivilcourage e. V., Brücke/Most-Stiftung




























































































































