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Marcus Schubert (Landeskirchliche Gemeinschaft Pirna e.V.) aus Pirna
Zatzschke war eine Station auf dem Leidensweg vieler KZ-Häftlinge
12.02.2010
/ Pirna
Rund 100 Pirnaer hörten am Freitagabend die Berichte zum KZ-Außenlager Mockethal-Zatzschke.
Was hat das bayerische Flossenbürg mit Pirna-Zatzschke zu tun? Ulrich Fritz, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Flossenbürg, berichtete am Freitagabend vor rund 100 Zuhörern im Kapitelsaal des Pirnaer Stadtmuseums über zeitgeschichtliche Hintergründe eines dunklen Kapitels.
„Seit 1944 war das KZ Flossenbürg Drehscheibe für Tausende Häftlinge aus Osteuropa“, schildert Fritz. Es wurde zum Zentrum eines großen Netzes von Außenlagern. Innerhalb von zwei Monaten seien in Sachsen sechs Außenlager für Zwangsarbeiter in kriegswichtigen Industriezweigen wie dem Flugzeugbau errichtet worden, die man nach und nach mit Häftlingen füllte. Unter ihnen waren die jüdischen Brüder Salomonovic, damals noch Kinder. Sie berichteten am Freitagabend als Zeitzeugen von ihrer jahrelangen Odyssee durch Konzentrationslager. Im Viehwagen karrte man sie zunächst in ein Außenlager auf der Schandauer Straße 38 in Dresden, dem Areal der jetzigen Zigarettenfabrik. Auf den Deportationslisten wurden aus Josef und Michal zwei Mädchennamen. Als Josefa und Michaela wurden beide Brüder mit ihrer Mutter dem Frauenlager zugeteilt.
Nach der Bombardierung von Dresden brachte man im Februar 1945 nach einigen Monaten Zwangsarbeit Hunderte von ausgemergelten Gefangenen, auch die Salomonovic-Brüder, zu Fuß nach Pirna-Zatzschke. Josef Salomonovic berichtet von den „schönen toten Frauen mit Haaren am Wegesrand zwischen Dresden und Pirna.“ Das damals sechsjährige Kind kannte durch die KZ-Lager nur kahl geschorene Frauenköpfe in Häftlingskleidung.
Auf dem mörderischen Weg ins Pirnaer KZ-Außenlager Zatzschke hat der sechsjährige Josef, am Ende seiner Kräfte „den lieben Gott gebeten, dass er mich zu sich nimmt. Aber das hat er nicht getan.“ Berührend ist auch seine Erinnerung, wie er brutale Lagerapelle bei Kälte und Schnee geschützt zwischen den Beinen seiner Mutter verbracht hat. Sie behütete ihn so gut wie möglich. Josef war während der gesamten Lager-Zeit in permanenter Lebensgefahr, da er zu jung zum Arbeiten war. Sein etwas älterer Bruder Michal wurde dagegen zu „kriegswichtigen“ Arbeiten herangezogen.
Aufklärung ist ein Muss
Michal Salomonovic berichtet, wie der Vater im KZ während des Aufenthaltes in einer Krankenbaracke umgebracht wurde. Die Brüder Salomonovic und ihre Mutter überlebten die letzte Station ihrer Haftzeit im Außenlager Pirna. In Mockethal-Zatzschke sollten hunderte Häftlinge noch vor Kriegsende die zerstörte Treibstoffindustrie wieder in Gang bringen.
Nach dem Krieg lebt die Familie Salomonovic im tschechoslowakischen Ostrau. Josef Salomonovic ist seit vielen Jahren in Wien verheiratet. Beide Brüder bestätigten auf Publikumsanfragen auch rechte Tendenzen bei Jugendlichen in Tschechien, der Slowakei und Österreich. „Aufklärung durch Zeitzeugenberichte und flächendeckende Unterstützung durch Lehrer und Familie sind hier ein Muss.“
Eine Gedenktafel in Pirna soll bald an das Geschehene im KZ-Außenlager Zatzschke erinnern.



























































































































