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Theodor Heuss Preis 2009: Demokratie lokal gestalten

Theodor-Heuss-Medaille an Aktion Zivilcourage 25.04.2009 / Pirna/Stuttgart Oberbürgermeister Markus Ulbig und Aktion Zivilcourage geehrt ...

„Demokratie beginnt zuhause“ hat bereits der junge Theodor Heuss formuliert. Die Theodor Heuss Stiftung will in diesem Jahr, in dem der 125. Geburtstag von Theodor Heuss und 60 Jahre Grundgesetz gefeiert werden, die Aufmerksamkeit besonders darauf lenken, dass die Zukunft der demokratischen Gesellschaft vor Ort entschieden wird. Wir brauchen Kommunen – keineswegs nur große, wohlhabende und selbstbewusste Städte – die mutig gegen den Trend zu einer politischen Entleerung der lokalen Ebene angehen und ihre Handlungsmöglichkeiten nutzen und auszuweiten versuchen. Möglich wird dies vor allem dort, wo Bürgermeister und Gemeinderäte die Zusammenarbeit und Kooperation mit der Zivilgesellschaft suchen. In diesem Sinn werden im Rahmen des Jahresthemas „Bürgerrechte, Bürgermeister, Bürgerinitiativen: Demokratie lokal gestalten“ vier Bürgermeister und Bürgerinitiativen mit Theodor Heuss Medaillen ausgezeichnet, die ein Problem in ihrer Kommune, das alle betrifft, gemeinsam angepackt und gelöst haben.

Oberbürgermeister Markus Ulbig wurde in diesem Jahr gemeinsam mit der Aktion Zivilcourage als einzige ostdeutsche Stadt mit dem Theodor Heuss Preis geehrt.

Oberbürgermeister Markus Ulbig: "Ich bin dankbar für diese wunderschöne Anerkennung des langjährigen gemeinsamen Engagements. Mit den vielzähligen Aktionen in unserer Stadt ist in Pirna der Aufstand der Anständigen mit dem Aufstand der Zuständigen zusammengekommen. Das gemeinsame Ziel in Sachsen muss sein, den Rechtsextremisten, die unsere demokratische Verfassung ablehnen, in den Parlamenten das Podium zu entziehen."

Sebastian Reißig, Aktion Zivilcourage: „Ich bin sehr stolz und freue mich über diese Auszeichnung. Der Theodor-Heuss-Preis bestätigt die gemeinsame Arbeit der letzten Jahre, entschieden gegen Rechtsextremismus und für Zivilcourage einzutreten. Dafür danke ich allen Mitstreitern in unserer Region und nehme diese Auszeichnung stellvertretend für die vielen engagierten Menschen entgegen. Demokratie ist unser wichtigstes Gut!“

In der Laudatio der Theodor Heuss Stiftung heißt es:
Die sächsische Stadt Pirna, unweit von Dresden, wartet nicht nur mit einem schmucken mittelalterlichen Stadtkern auf, sondern auch mit einer ungewöhnlichen zivilgesellschaftlichen Initiative, nämlich der Aktion Zivilcourage e.V. Diese Organisation hat sich die Stärkung von Demokratie und Weltoffenheit sowie die Eindämmung von Rechtsextremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit zum Ziel gesetzt. Zwei Merkmale kennzeichnen den Verein Aktion Zivilcourage in besonderer Weise, und dies empfiehlt ihn auch für die diesjährige Preisverleihung: Er ist mit vielfältigen Aktivitäten außerordentlich breit und überparteilich aufgestellt; dann verbindet er in einer dichten Vernetzung Personen und Institutionen in beispielhafter Form. Das Spektrum der Veranstaltungen reicht von Jugendbegegnungen und Gedenkfahrten über Bildungsarbeit, Seminaren wie Beratungen bis zu Lesungen und Konzerten. Ein Höhepunkt dürfte das jährlich organisierte interkulturelle Fest „Markt der Kulturen“ sein, jetzt schon zum 7. Mal veranstaltet, zu dem am 16. Mai 2009 wieder rund 10.000 Besucher erwartet werden. Im umfänglichen Netzwerk kooperiert die Aktion Zivilcourage mit Behörden, Vereinen, Verbänden, Kirchen, Schulen sowie anderen Einrichtungen und Initiativen. Die Aktion wendet sich vornehmlich an die jüngere Generation, will jedoch auch viele ältere Bürgerinnen und Bürger Pirnas und der Region Sächsische Schweiz erreichen. Deshalb verbreitet sie auch eine regelmäßig aktualisierte Internetseite und unterstützt die regelmäßige Erscheinung eines „Bürgerbriefes“ für alle Haushalte. Den Aktivisten dieser Initiative ist bewusst, dass die Bekämpfung des Rechtsextremismus nur über eine Stärkung der Zivilgesellschaft und der demokratischen Kultur gelingen kann. Der Erfolg in Pirna, wo politisch motivierte Gewalttaten deutlich  zurückgingen und die Wählerstimmen für die  rechtsextremistische NPD stagnieren, gibt der Initiative Bestätigung und Auftrieb. Die Aktion Zivilcourage wurde 1998 von vier  Schülerinnen und Schülern ins Leben gerufen. Ihr Motto lautete in einer Region rechtsextremistischer und gewalttätiger Auffälligkeiten: Standhalten statt Flüchten. Von 2001 an kam es zwischen dem neu gewählten Oberbürgermeister Markus Ulbig (CDU) und der Initiative zu einer engen Kooperation. Ein wichtiger Startimpuls war so gegeben und die Kommune geriet in Bewegung. Stadtoberhaupt Ulbig heute: „Ich musste mich entscheiden, die Problematik mit den rechtsextremen Skinheads – wie damals durchaus üblich – unter  den Teppich zu kehren oder klar Stellung zu beziehen und mich kontinuierlich für die Zurückdrängung dieser Demokratiefeinde zu engagieren. Ich habe mich für das Zweite entschieden.“ Auch seinem Engagement ist es zuzuschreiben, dass inzwischen Behörden wie Polizei, Jugendamt und Justiz gemeinsam mit Sozialarbeitern und Vereinen die Aktion Zivilcourage eng und beständig in ihrer Arbeit unterstützen. Der quirlige Verein agiert aus der Stadt Pirna heraus in den ganzen Landkreis hinein. Das Modell präsentiert sich bundesweit einzigartig. Ein Gutachten des anerkannten Bielefelder Wissenschaftlers Wilhelm Heitmeyer unterstreicht den professionellen und permanenten Erfolg in der sächsischen Region.
 
www.pirna.de
www.aktion-zivilcourage.de

 

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