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Gläsernes Erinnern

glasbank glasbamnk marion Kunstprojekt „Drei Denk-Orte in Dresden“ von Marion Kahnemann

Die Künstlerin Marion Kahnemann möchte an drei ausgewählten Plätzen in Dresden die Schaffung eines Ortes des Nachdenkens und der kreativen Verstörung anregen. Diese Orte sollen daran erinnern, wie eine ganze Bevölkerungsgruppe durch schrittweise Ausgrenzung zunehmend unsichtbar gemacht wurde und damit das Gewissen nicht mehr belastete.

Ziel meines Kunstprojektes ist es, nicht nur die öffentliche Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung zur Zeit des NS-Regimes zu visualisieren und damit bewußt zu machen, sondern auch für heutige Ausgrenzungsmechanismen zu sensibilisieren.

 

Kahnemann sieht es als sehr wichtig an, Orte zu schaffen, die Diskussionen anregen und ein lokales geschichtliches Bewußtsein fördern.
Bei den drei Orten, die sie für ihr Projekt ausgewählt habe, handelt es sich um prominente Parks der Stadt, die von allen Schichten der Bevölkerung und Touristen stark frequentiert werden. (Großer Garten, Blüherpark und Brühlsche Terrasse) Diese Parks stehen stellvertretend für all die öffentlichen Grünanlagen, die ab 1940 (ein Ort bereits ab 1938), von Juden nicht mehr betreten werden durften.

Sie möchte an diesen drei Orten je eine vorhandene Bank durch eine schlichte Kunstinstallation ersetzen. Die Kunstinstallation soll aus einer gläsernen Bank bestehen (auf Bruchsicherheit wird wegen der Gefahr von Vandalismus geachtet), die in Form und Maß den anderen Bänken entspricht. Auf der Lehne soll die Aufschrift „NUR FÜR ARIER“ ausgespart werden. Falls Leute anfangen sollten, das Glas zu zerkratzen, was leider zu erwarten ist, wird diese Aufschrift für den Betrachter immer deutlicher sichtbar, da es sich um eine negative Schrift handelt. Neben der Bank, vom linken Banksockel ausgehend, soll ein Textband (aus Eisenguß) mit dem Hinweis auf die entsprechenden Polizeiverordnungen, passend zu den Besonderheiten des jeweiligen Ortes in Deutsch und in Englisch eingelassen werden.

Obwohl die Kunstkommission der Stadt Dresden, die dem Bürgermeister für Kultur unterstellt ist, die Idee im Prinzip befürwortet, sind die staatlichen und städtischen Ämter, die als Verwalter der drei Gärten eingesetzt sind, nicht bereit, die Realisierung des Projektes zu genehmigen. Je nach Amt werden verschiedene Argumente angeführt, u.a. die folgenden:

1. Die Bänke werden sofort zerstört und man hat schon genug Probleme mit Vandalismus.
2. Zerstörte Bänke werden den Tourismus und damit das Bild Dresdens nach außen belasten.
3. Diese Orte sind für eine politische und historische Auseinandersetzung nicht geeignet, weil es sich um Orte der Erholung und des touristischen Interesses handelt.

Die Künstlerin möchte diese Argumente nicht akzeptieren und sucht deshalb Verbündete, um eine öffentliche Diskussion in Gang zu bringen. "Die nächsten Schritte", so Kahnemann, "bestehen darin, zu versuchen, die Presse und Abgeordnete des Sächsischen Landtages und des Dresdner Stadtrates zu kontaktieren. Da ich freischaffende Künstlerin bin, die bis jetzt wenig politische Kontakte hat, brauche ich dazu Unterstützung von außen."

Die Stellungnahme der Künstlerin gegenüber den Bedenken der Kunstkommission können Sie hier einsehen.

Kontakt:
Marion Kahnemann - Dipl.-Bildhauerin
Tel 0351/8042480, e-mail: mkahnemann@yahoo.de
Näheres zur Künstlerin auf ihrer Homepage.

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