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Gedenkfahrt Auschwitz: Das Tagebuch

DSC_0615 IMG_1963 P1090046 IMG_1958 03.November 2009 / Auschwitz/ Oświęcim

 Erster Tag: Die Anreise

Pirna, 9:30 Uhr:  Unsere Fahrt nach Polen beginnt. Nach einer leichten Verspätung aufgrund von Bäumen und Kontrollen durch die Bundespolizei, sowie dem nicht auffinden von wichtigen Personen (Dolmetscherin), kamen wir doch letztendlich im Zentrum Dialog und Gebet in Oświęcim/ Auschwitz an.

 

Zweiter Tag: Eine Stadt- zwei Gesichter

Nach dem Aufstehen und dem Frühstück packten wir uns in warme Kleidung und machten uns alle auf den Weg zum Stammlager. Dort erhielten wir eine ausführliche Führung von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Gedenkstätte. Die Eindrücke, die wir heute in der Gedenkstätte sammelten, brauchen sicherlich noch einige Zeit, um diese alle zu verarbeiten.  Man kann nur fassungslos vor den Gebäuden, den Bildern und den gesammelten Habseligkeiten der Opfer stehen und versuchen, das damals Geschehene zu begreifen.
Trotz Schaal, Mütze und Handschuh froren wir. Wie muss es den Menschen im Konzentrationslager ergangen sein, die die dünne Häftlingskleidung Sommer wie Winter trugen?

Die meisten Besucher verbinden mit dem Namen Oświęcim oder Auschwitz in erster Linie das größte Konzentrationslager im Dritten Reich. Viele vergessen, dass es ebenso eine lebendige Stadt mit mehr als 40.000 Einwohnern ist, die auf eine über 800-jährige Geschichte zurückblicken kann und nicht nur auf die sechsjährige Besatzungszeit der Deutschen reduziert werden darf.

Max, ein Deutscher, der sein FSJ hier in Polen absolviert und uns die ganze Woche begleiten wird, machte mit uns einen Stadtrundgang. In Zusammenarbeit mit dem jüdischen Zentrum besichtigten wir die Synagoge und den jüdischen Friedhof. 

So haben wir heute Auschwitz und Oświęcim von zwei Seiten kennenlernen dürfen.

 

Dritter Tag: Sie dachten, sie werden nur umgesiedelt.

Heute Morgen besuchten wir das größte Konzentrations- und Vernichtungslager zu Zeit der NS-Diktatur. Im Gegensatz zum engen Stammlager war das Außenlager Birkenau als ein weitläufiges mehr als 200 ha großes Lager geplant. Heute sind von den vormals 350 Baracken nur noch wenige im Originalzustand erhalten. Vor allem wird das Bild durch die vielen hundert Schornsteine geprägt, welche wie Säulen aus dem Boden ragen. Der Historiker der Gedenkstätte Auschwitz führte uns quer über das Gelände, berichtete uns, wie die Menschen dort ihr Leben fristen mussten, welchen Lügen ihnen erzählt wurden, dass Birkenau nur ein Übergangsort sei, bevor sie in eine neue „Heimat“ umgesiedelt werden. Doch mit der Ankunft im Lager  - oft nach tagelanger Fahrt in überfüllten Zügen – selektierten NS-Ärzte die Ankommenden. Die augenscheinlich Gesunden  - lediglich 20% - wurden zur Zwangsarbeit herangezogen und hatten somit eine kleine Überlebenschance. Alle anderen wurden nach sekundenschneller, oberflächlicher Entscheidung ermordet. Unmittelbar vor den Gaskammern erfuhren die Opfer, dass sie nach einem Bad ihre Familien wiedersehen würden. Sie erhielten ein Stück Seife, ein Handtuch, mussten sich entkleiden und wurden in den vermeintlichen Waschraum geführt. Dann folgte die Vergasung durch Angehörige der SS.
Wir sahen die Baracken, in denen die Menschen schliefen, die Teiche, in welche die Asche der Opfer geschüttet wurde, die zerstörten Gaskammern und die Krematorien.
Auch die inszenierte Außenwirkung des Lagers wurde vom Zeitzeugen Wilhelm Brasse in einem Gespräch am Nachmittag hervorgehoben. Dieser war von 1940 bis 1945 als Häftling im Stammlager Auschwitz. Überlebt hat er dank vieler „Zufälle“ und seiner Rolle als Fotograf. Eine seiner Aufgaben war, die medizinischen Experimente, unter anderem des Dr. Mengele, fotografisch zu dokumentieren. Ergreifend war sein Abschlussgedanke: „Wir könnten heute nicht hier als Freunde zusammen sein, wenn es den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben hätte.“

 

Vierter Tag: Das schöne Krakau

Am heutigen Tag war nicht nur das Programm, sondern alleine schon die Fahrt ein Erlebnis für sich.  Bei strömenden Regen fanden wir uns eine halbe Stunde nach geplanten Beginn der Stadtführung in einer Seitenstraße eingekeilt zwischen wütend hupenden Autos wieder. Doch dank einer engagierten „Hilfspolizistin“ (unsere polnische Dolmetscherin) konnte die Situation schnell entschärft werden und die Suche nach einem Busparkplatz wurde fortgesetzt. Mit fast einer Stunde Verspätung konnte die Stadtführung dann doch beginnen und auch der Regen ließ langsam nach. Unsere Reiseleiterin erkannte schnell, dass die Stadtführung nun wohl länger als geplant dauern muss, da wir auch „etwas“ später angekommen waren. Die Tour führte uns vom jüdischen Viertel, wo wir Synagoge und Friedhof besichtigten, entlang am Wawel in die malerische Altstadt, wo die Führung an der Marienkirche endete. Nun stand es jedem frei, auf eigene Faust Krakau zu erkunden. Die Shoppingtouren der Einen erstreckten sich von den historischen Tuchhallen bis zum modernen Einkaufstempel. Andere zogen es vor, die Atmosphäre der Stadt in Cafés und Kneipen zu genießen, wo man sich auch süße und putzige Kosenamen gab. Einzelne gaben sich die volle touristische Dröhnung und besichtigten alles, was der Reiseführer empfahl. So kam jeder auf seine Kosten und konnte ein wenig abschalten. Schnell wurde es Abend und wir gingen gemeinsam zum Abschlussabendessen in ein jüdisches Restaurant, wo uns ein sehr berühmter polnischer Klezmer-Musiker Gesellschaft leistete. So gestärkt gingen die „Großen“ noch mit Max einen Umdrunk genießen, während die „Kleinen“ überschüssige Energien beim Treppenlauf, Fahrstuhlfahren und Extremtelefonieren abbauten. Dieser Tag war ein guter Ausgleich zu den vorherigen Inhaltsschweren Programmpunkten und man durfte einmal eine andere Seite Polens kennenlernen.

 


Fünfter Tag: Die Abreise

Auf Wunsch einer einzelnen Dame, welche hier nicht genannt werden möchte, ( oder Jana das wolltest du doch nicht?)  mussten wir schon mitten in der Nacht aufstehen um pünktlich um sechs Uhr starten zu können. Jetzt sitzen wir hier im Bus und nachdem wir unsere liebgewonnene Dolmetscherin wieder ihrem Sohn übergeben haben, schreiben wir diese Zeilen.

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